Raab-Schaum: Strengere Kontrollen als Vorsichtsmaßnahme
Experten aus Österreich und Ungarn luden in Szentgotthard zum Meinungsaustausch. Verschmutzung führte in Vergangenheit zu verstärkten Protesten - Gewässeraufsicht prüft steirische Lederfabriken nun 24 mal im Jahr.

Foto © Günter PilchDie Verschmutzung durch den Raab-Schaum hatte in den vergangenen Jahren zu verstärkten Protesten vor allem in der ungarischen Bevölkerung geführt
In die hitzige und verfahrene Diskussion rund um den Schaum auf der Raab scheint nun Bewegung zu kommen. Der Zustand des grenzüberschreitenden Flusses war am heutigen Donnerstag Thema eines Forums im ungarischen Szentgotthard. Zufrieden zeigte sich etwa Tibor Viniczay, Bürgermeister der Gastgebergemeinde. Er sei optimistisch für die Zukunft, es habe sich gezeigt, dass die Raab-Verschmutzung auch auf österreichischer Seite sehr ernst genommen werde.
Bürgerinitiative
Die Selbstverwaltung Szentgotthard, die Bürgerinitiative Pro Natura St. Gotthard (PRONAS) und die Umweltschutzorganisation REFLEX luden Experten aus Österreich und Ungarn zum Informations- und Meinungsaustausch. Auch die Vertreter der Umweltorganisationen zeigten sich dabei mit den auf österreichischer Seite gesetzten Schritten grundsätzlich zufrieden. "Wir erwarten uns vom heutigen Tag weitere Kooperationen und einen Erfahrungsaustausch zwischen österreichischen und ungarischen Wasserschutzbehörden und verschiedenen Zivilorganisationen", so Katalin Kiss, Vorstandsmitglied der Bürgerinitiative PRONAS. Bürgermeister Viniczay wollte mit der Veranstaltung deutlich machen, dass gemeinsam viel zu erreichen sei.
Eine Hauptmaßnahme zur Verbesserung der Wasserqualität der Raab im Burgenland und in der Steiermark stellen strengere Kontrollen der Emission der lederverarbeitenden Betriebe dar, erläuterten Experten am Donnerstagnachmittag beim Raab-Forum in Szentgotthard. So wurde etwa die Kläranlagen-Überwachung bei der Boxmark-Lederfabrik in Jennersdorf intensiviert. Seither werden an allen Werktagen Zu- und Ablaufproben entnommen und von der Gewässeraufsicht der burgenländischen Landesregierung untersucht, so Gerhard Spatzierer, Leiter der Abteilung Wasser- und Abfallwirtschaft im Amt der Burgenländischen Landesregierung. Die Ergebnisse der Messungen werden innerhalb von etwa zehn Tagen auf der Website des Umweltministeriums veröffentlicht. Außerdem werden fallweise unangekündigte Überprüfungen im Werk vorgenommen. Ein unabhängiges Fachinstitut prüft zusätzlich viermal im Jahr die Kläranlage. Die Gewässeraufsicht an der Landesgrenze zur Steiermark und in Neumarkt an der Raab entnimmt monatlich Wasserproben und untersucht diese. Auf burgenländischer Seite sei das Werk in Jennersdorf der einzige Einleiter von Abwässern in die Raab, so Spatzierer.
Laut Wilfried Schimon, dem Leiter der Sektion Wasser im Umweltministerium, soll sich die Situation im Südburgenland jedenfalls im heurigen Jahr verbessern. Die Produktion in Jennersdorf musste in den vergangen zwei Jahren gedrosselt werden. Auslöser dafür war die anhaltende Wirtschaftskrise. Mit dem Bau der tertiären Abwasserreinigungsstufe wurde deshalb noch nicht begonnen. Sollte es aber zu außergewöhnlichen Betriebszuständen, wie Betriebsferien, Störfällen oder Betriebsumstellungen, kommen, werden diese laut Spatzierer umgehend der ungarischen Seite bekanntgegeben. Intensivere Kontrollen gebe es seit zwei Jahren auch von der Gewässeraufsicht des Landes Steiermark. Wurden im Jahr 2006 einmal jährlich Proben entnommen, so werden seit 2008 die Überprüfungen in den Lederfabriken 24 mal pro Jahr durchgeführt, so der Leiter der steirischen Gewässeraufsicht, Johann Wiedner. Außerdem wurden weitergehende Reinigungsmaßnahmen in den Werken Feldbach und Wollsdorf gesetzt. "Die Maßnahme bei der Boxmark-Fabrik in Feldbach ist bereits fertiggestellt, in Wollsdorf ist die Umsetzung der ersten Stufe nun vollständig beendet", so Wiedner. Die Arbeiten an der zweiten Stufe soll im heurigen Jahr fortgesetzt werden.
"Durchgängigkeit bei Wehranlagen der Raab im Grenzraum OpenWehr" ist der Titel eines EU-Projekts für die ökologische Rehabilitierung der Raab im Burgenland und in der Steiermark. Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund zwei Millionen Euro, so Spatzierer. Das Projekt soll bis 2012 abgeschlossen sein. Es sieht unter anderem die Verbesserung der Fischpassierbarkeit beim Kraftwerk in Neumarkt an der Raab vor. Die Verschmutzung durch den Raab-Schaum hatte in den vergangenen Jahren zu verstärkten Protesten vor allem in der ungarischen Bevölkerung geführt. Zunehmendes öffentliches Interesse an der Problematik bewirkte, dass die Angelegenheit schließlich Thema bilateraler Gespräche auf Ministerebene wurde.












