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Buchtipp: Eine Erfolgsgeschichte in Weiß-Grün
Erzherzog Johann führte Steirer und Kärntner mit Reformen und Initiativen ins Industriezeitalter. Zum 150. Todestag zeigt ein Buch das noch erstaunlich lebendige Lebenswerk.

Foto © Neue Galerie Graz
Mit viel Gespür für das damalige Umfeld und die Umstände führt Hans Magenschab in das frühe 19. Jahrhundert. Die Veränderungen, welche Napoleon den Staaten und Völkern aufgezwungen hatte, prägten Europa und paralysierten es teilweise. Österreichs Führung war oft überfordert. So wurde der 18-jährige Erzherzog als General in die Schlacht von Hohenlinden in Bayern geschickt, die nur zu verlieren war. Von seinem kaiserlichen Bruder Franz wurde er mit dem schrecklichen Gefühl allein gelassen, für den Tod von 14.000 Soldaten verantwortlich zu sein.
Geist der Aufklärung
Der Grimm gegenüber dem Wiener Hof, dem Hochadel und der Bürokratie war ein wichtiges Motiv für Johanns Tatendrang. Geprägt vom Geist der Aufklärung, setzte er auf das einfache Leben in den Bergen, erst Tirols und dann der Steiermark. Magenschab spart zwar sprachlich an Brillanz und Emotion, bietet aber gute Einblicke in das romantisch veranlagte Leben des jungen Mannes. So ließ der Erzherzog in Schönbrunn so etwas wie ein "Tiroler Disneyland" errichten und pflegte mit Gleichgesinnten ritterliche Rituale.
Doch die vorgebliche jugendliche Sentimentalität war in Wahrheit Teil eines im Detail durchdachten Konzeptes. Der Autor schildert Johann nicht als abstrakten, verträumten Weltverbesserer, sondern als Mann der konkreten Hilfe. Erzherzog Johann ertüchtigte die Steirer zur Selbsthilfe, indem er ihnen die Mittel zur Überwindung der Probleme eines von Wien vernachlässigten Kronlandes gab. Das Buch zählt die unglaubliche Dichte an Reformanstößen auf, die alle ein zentrales Anliegen transportierten: Bildung als Schlüssel zur Zukunft. Auch auf Kärnten traf das zu.
Privatleben
Natürlich bekommt das Privatleben des "steirischen Prinzen" ausführlich Raum, weil die Beziehung zu Anna Plochl so berührend wie ehrlich und bezeichnend ist. Dass ein 37-Jähriger gut neun Jahre auf die Anerkennung seiner großen Liebe wartet, ist ein heutzutage unglaublich anmutendes Maß von Ehrgefühl.
Das Buch zeigt sein Lebenswerk als das, was man in der heutigen ergebnisorientierten Zeit eine Erfolgsgeschichte nennt. Er hat einem Land und seinen Menschen in vielen Belangen entscheidend geholfen, kleine und große Chancen zu nützen. Das rechtfertigt zur 150. Wiederkehr seines Todes, dass die Grüne Mark wieder ein Erzherzog Johann-Jahr mit vielen Höhepunkten begeht.
Features
Zum Autor
Hans Magenschab (69) ist einer der angesehensten Journalisten Österreichs. Er war Chefredakteur der "Wochenpresse" und der "Furche" sowie als Pressesprecher von Bundespräsident Thomas Klestil aktiv. Als Bücherautor schrieb er schon 1981 über Erzherzog Johann, später über Andreas Hofer und Josef II.












