Seltenes WolkenphänomenWeder Chemtrails noch Ufo - der Föhn war's

Ein seltenes Wolkenphänomen sorgte vor einigen Tagen im Ennstal für Gesprächsstoff. Mehrere Bilder wurden an die Redaktion geschickt. Bei der Zamg hat man nun alle Daten dazu ausgewertet.

Das relativ scharf abgegrenzte Loch in der Wolkendecke, das für viel Staunen sorgte © Christian Huemer
 

Viele staunten nicht schlecht, als sich Anfang November über dem Ennstal ein besonderes Wolkenphänomen abspielte: Ein scharf abgegrenztes Loch mit einer Art Wattebausch in der Mitte hielt sich für einige Minuten am Himmel. Dann löste sich die Formation auf (die Kleine Zeitung berichtete). Gleich mehrere Leser haben das Phänomen fotografiert und uns ihre Aufnahmen zukommen lassen – manche vermuteten eine sogenannte Fallstrick-Wolke dahinter. Die kommt weltweit so selten vor, dass das Phänomen bis heute nicht restlos erforscht ist. Entsprechend halten sich auch Verschwörungstheorien rund um den Effekt, manche mutmaßen, dass diverse Chemikalien versprüht würden (Chemtrails) oder überhaupt Ufos im Spiel sein könnten.

Bei der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (Zamg) in der Steiermark ging man zuerst auch von einer Fallstrick-Wolke aus. Leiter Alexander Podesser hat – nach genauer Information, wann die diversen Bilder unserer Leser aufgenommen worden sind – allerdings noch einmal alle Fakten überprüft. Er hat auch die Daten der Wetterstationen Liezen und Grimming in die Analyse miteinbezogen und kommt nun zu folgendem Schluss: „Nach Rücksprache mit meinen Kollegen könnte es sich  um Föhneffekte handeln.“ Am 2. November, als die Bilder aufgenommen wurden, stieg die Lufttemperatur an der Wetterstation Liezen deutlich an, und die relative Feuchte sank. „Noch besser zu sehen ist dies an der der Wetterstation Grimming“, so Podesser.

Wegen des Auftretens mehrerer Wolkenarten könne man auch von einem „chaotischen Himmel“ sprechen. „Diesen Begriff gibt es wirklich in der Wetterbeobachtung. Bei den Wolken handelt es sich um Altokumulus lenticularis (Wolken-Linsen) und Altokumulus floccus (Wolken mit zerfranstem Unterteil), in der Ferne kann man noch etwas Cirrus (hohe Wolken) erkennen.“

 

Seltenes Wolkenphänomen: Weder Ufo noch Chemtrails - es war der Föhn

2. November 2017: Zuerst stellte sich die Wolkenformation so dar...

LR Ingrid Grossauer

...wenige Minuten später bildete sich dann das markante Loch in der Wolke. Frau Grossauer hat dieses Bild auf der Fahrt von Liezen nach Selzthal fotografiert

LR Ingrid Grossauer

Dasselbe Phänomen, fotografiert von Kerstin Harreiter, die das Bild von der so genannten Stoiringalm in Wörschachwald aufnahm. Zamg-Chef Alexander Podesser bezeichnet die Fotografien als "Tausendguldenschuss", weil sie so selten sind.

LR Kerstin Harreiter

Der Wolkeneffekt - aus Sicht der Liezener Innenstadt. Zuerst wurde vermutet, dass es sich dabei um eine so genannte "Fallstrick-Wolke" handelt. Dieses Phänomen ist so selten, dass es bis heute nicht restlos erforsch ist. Manche vermuten Verschwörungstheorien wie chemische Substanzen (Chemtrails) oder sogar Ufos dahinter. Lesen Sie den ganzen Bericht hier.

Christian Huemer

Das Diagramm der Wetterstation Liezen mit Temperatur und Luftfeuchtigkeit - das auch den Föhneffekt erklärt. Noch besser sind die Daten...

Alexander Podesser

...auf dem Diagramm der Wetterstation Grimming zu sehen. Es handelt sich laut Zamg bei den Wolken nicht um eine Fallstrick-Wolke, sondern um einen ungewöhnlichen Föhneffekt.

Alexander Podesser

Zamg-Chef Podesser hat uns aus seinem Archiv selbst ein Bild einer solchen Wolkenformation zukommen lassen. Es handelt sich dabei aber eben nicht um die Fallstrick-Wolke, sondern um einen Föhneffekt

Alexander Podesser/Harlfinger

Dieses Bild wurde uns einige Tage später von dem Amateur-Fotograf Karl Steinegger zugeschickt. Er hat es in der Elmgrube in der Nähe des Hinteren Lahngangsees im Toten Gebirge (Gemeindegebiet Grundlsee) aufgenommen. Er mutmaßte, dass es sich hier unter Umständen um eine Fallstrick-Wolke handeln könnte. Alexander Podesser von der Zamg meint jedoch dazu: "Am 5.November war es noch föhnig, in der Nacht auf den 6.11. brach dann der S-Föhn zusammen, die Höhenströmung drehte mit einer Kaltfront  auf NW und es begann zu schneien. Das Bild wurde länger belichtet, man sieht um den Mond ein sogenanntes Halo, eine optische Erscheinung, die auf Lichtbrechung an den Eisteilchen der Wolke beruht. Es handelt sich nach meiner Einschätzung um eine Altocumulus transluzidus radiatus, also um eine streifenförmige, durchscheinende Altocumuls-Wolke."

 

www.instagram.com/karl_steinegger

Alexander Podesser, Leiter der Zamg, der uns bei der Recherche behilflich war. Er verweist auch noch auf eine Wetterkamera, die für den Lawinenwarndienst Steiermark betrieben wird. Dabei handelt es sich um eine Webcam am Hochkar, die auf die N-Seite des Hochschwabs schaut. Die Kamera liefert auch in der Nacht hervorragende Wolkenbilder und es gibt ein Archiv. "Da kann man wolken- und wettermäßig (Schnee) viel herauslesen", verspricht der Experte. Hier geht's zu dieser Webcam

 

(c) GERNOT EDER
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