Bad Mitterndorf

Hier stehen die Insekten auf der Speisekarte

Heuschrecken und Co: Seit einem Jahr kredenzt Christian Schilcher aus Bad Mitterndorf Insekten – mit großem Erfolg.

Christian Schilcher mit Heuschrecken und Mehlwürmern © Christian Huemer
 

Es ist kein kurzfristiger Spleen, auch kein Marketing-Gag: In der Steirerhütte in Bad Mitterndorf kann man Insekten essen. Nicht für eine Woche, wie das bei Wildspezialitäten oft der Fall ist, sondern bereits seit mehr als einem Jahr. Christian Schilcher, der die Hütte betreibt, hat das „Ungeziefer“ fix in der Speisekarte. „Wir haben zu Beginn mit verschiedenen Insekten begonnen, letztlich sind wir bei Heuschrecken und Mehlwürmern geblieben, weil die am besten gehen“, schmunzelt der Gastronom, der sich am Anfang seiner Sache selbst nicht ganz sicher war. „Natürlich hat man ein mulmiges Gefühl im Magen. Zuerst wenn man selbst probiert und ein wenig suspekt ist es schon auch, wenn so eine Mahlzeit zum ersten Mal aus der Küche geht.“

Doch mittlerweile ist die Sache gegessen. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn die Nachfrage wird immer größer. „Früher haben wir die Insekten über Holland und Deutschland eingekauft, mittlerweile gibt es einen Produzenten in Vorarlberg, der uns Insekten nicht nur gefriergetrocknet, sondern auch ,frisch’ liefert“, schwärmt Schilcher.
Wobei damit nicht gemeint ist, dass sie noch leben, sondern, dass sie nur gefroren sind. „Das ist vom Geschmack her doch noch einmal etwas ganz anderes.“ Apropos Geschmack: Nach dem Eigenversuch weiß ich: Mehlwürmer werden gerne mit Nudeln oder auch Süßspeisen gegessen. Sie haben einen leicht nussigen Geschmack, die Konsistenz erinnert an Cornflakes. Bei der Kostprobe von Heuschrecken bleibt ein Fragezeichen auf dem Gaumen. Es gibt irgendwie nichts Vergleichbares, das man landläufig kennt.

Abgesehen davon: Bei Schilcher kann man auch ganz „normale“ Gericht essen. Was sich allerdings durchzieht: Es werden hochwertige, natürliche Produkte verwendet. So gibt es Dry-aged-Beef aus Bad Mitterndorf, Wildfang-Saiblinge aus den Salzkammergut-Seen oder für alle, die es exotisch mögen: fangfrische Garnelen aus Bayern. Schilcher war immer schon Feinschmecker, der trotzdem bodenständig geblieben ist.

Zu den Insekten ist der 32-Jährige aus grundsätzlicher Überlegung gekommen: „Ich habe ein Buch über Nahrungsmittelknappheit gelesen. Das ist ein Problem und ich glaube, dass Insekten als Ernährung, nicht zuletzt für andere Kontinente, noch eine große Rolle spielen werden.“ 1900 Sorten sind übrigens heute schon als essbar klassifiziert. Und Schilcher lebt auch privat, was er beruflich auftischt: „Mit der Zeit gewöhnt man sich daran. Unser kleiner Sohn isst jetzt beim Fernsehen Mehlwürmer statt Popcorn.

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