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Frischmuth: "Ruhestand gibt's in meinem Beruf nicht"

Barbara Frischmuth feiert demnächst ihren 70. Geburtstag. Die Literatin und Gärtnerin über das Alter, die Rolle der Türkei in Europa und warum die Funkien so prächtig blühen.

 

Frau Frischmuth, Sie werden demnächst 70 Jahre alt. Man sieht es Ihnen nicht an - fühlen Sie sich denn so?

BARBARA FRISCHMUTH: Das weiß ich noch nicht, ich hab ja noch ein paar Wochen. Im Grunde habe ich für das Alter noch gar kein Gefühl entwickelt, weil ich vollauf beschäftigt bin. In meinem Beruf gibt es keinen Ruhestand. Solange der Kopf in Ordnung ist, und der Körper nicht zu viele Schmerzen bereitet, bin ich aktiv.

Sie haben sich als Literatin quer durch alle Genres geschrieben. Auch Ihre Themen umspannen einen weiten Bogen von Gartenbüchern über Orientalistik bis hin zu Kindergeschichten. Wie sind Sie zu den einzelnen Gebieten gekommen?

BARBARA FRISCHMUTH: Das kann man nicht so einfach sagen. Manche Themen sind einfach verführerisch. Gelegenheit hat zum Beispiel Garten gemacht. Wenn ich etwas Neues entdecke, neige ich dazu, mich voll darauf einzulassen. So ist dann Literatur daraus geworden. Ich schreibe auch bei anderen Themen für Menschen, die dasselbe beschäftigt wie mich. Bei den Kinderbüchern bediene ich zum Beispiel das Kind in mir, greife auch das auf, was ich als Kind gerne gelesen hätte. Das ist der Ansatz: Wenn es mich interessiert, kann es auch für andere interessant sein.

Sie haben Türkisch und Ungarisch studiert. Ihre Werke sind geprägt von der Offenheit gegenüber dem Fremden. Erweitert sich diese Perspektive mit dem Alter noch einmal?

BARBARA FRISCHMUTH: Ich war immer sehr offen, und ich habe vor, das auch weiter zu bleiben. Ich sehe gar keinen anderen Weg. Die grundsätzliche Demokratisierung im Kopf kann sich nur dann entwickeln, wenn man anderen Menschen auf Augenhöhe entgegenkommt.

Verfolgen Sie als Turkologin die Tagespolitik aus einem anderen Blickwinkel? Etwa, dass die Türkei gegen die Bewerbung der ehemaligen Außenministerin Ursula Plassnik als OSZE-Generalsekretärin ein Veto eingelegt hat?

BARBARA FRISCHMUTH: Natürlich verfolge ich das und es überrascht mich überhaupt nicht. Ich war damals in der Türkei, als Plassnik sich dagegen ausgesprochen hat, dass mit dem Land verhandelt werden soll. Sie hat sich als Einzige in die vorderste Front gegen die Türkei gestellt. Das war damals dort in allen Medien, es war fast erschreckend. Mir leuchtet durchaus ein, dass das Land nun so reagiert.

Gehört die Türkei in die Europäische Union?

BARBARA FRISCHMUTH: Ich hätte damit wahrscheinlich kein Problem, aber ich bin keine Expertin. Eben um das zu klären, hätte es ja damals diese Verhandlungen geben sollen. Wenn sich dabei herausstellt, dass die Türkei die Kriterien nicht erfüllt, dann hat sie sich das selbst zuzuschreiben. Aber die Vereinbarung, dass verhandelt wird, hat Frau Plassnik zuerst gebrochen. Deshalb darf man sich auch jetzt nicht über mangelnde Handschlagqualität der Türkei beschweren. Ich habe nicht verstanden, warum sie diese Fleißaufgabe gemacht hat. Leider passieren solche Dinge in der Außenpolitik oft im Hinblick auf die Innenpolitik. Dieses populistische Verhalten verhindert auch, dass die EU effizienter wird.

Wieder zurück zur Literatur. Gibt es noch etwas, das Sie machen wollen? Ihr neuestes Buch hat etwas Tierisches?

BARBARA FRISCHMUTH: Ja, es heißt "Die Kuh, der Bock, seine Geiß und ihr Liebhaber." Das ist wieder einmal etwas ganz anderes, als man von mir erwartet hat. Bevor ich jetzt aber etwas Neues mache, muss ich einmal alles abarbeiten, was ich versprochen habe. Dazu gehört auch ein Roman, der im Herbst 2012 erscheinen soll.

Ist heuer ein gutes Gartenjahr?

BARBARA FRISCHMUTH: Ja, durchaus. Es gibt nicht so viele Schnecken und deshalb sind sogar die Funkien prachtvoll und unangebissen. Auch die Lilien sind heuer besonders schön. Der warme Frühling hat Vieles gedeihen lassen.

Angesichts Ihrer Lebenserfahrung: Wogegen ist kein Kraut gewachsen?

BARBARA FRISCHMUTH: Gegen die Voreingenommenheit von Menschen. Sie ist das Hinderliche im Umgang miteinander.

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