Kulturdebatte: "Sparen macht blöd"
Das leidige Geld als Diskussionsthema im Grazer Joanneumsviertel: Die heimische Kulturpolitk kam dabei, wie zu erwarten, nicht sehr gut weg.

Foto © Kleine Zeitung/Jürgen Fuchs
Kulturpolitik im Sternzeichen des Sparschweins: Kulturschaffenden wie Kulturkonsumenten stößt das zunehmend auf. Entsprechend gut besucht - und leidenschaftlich geführt - war am Montag Abend eine Diskussion im neuen Joanneumsviertel. Auf Einladung der Steirischen Gesellschaft für Kulturpolitik ging es um Kunst und Geld. Auf dem Podium: herbst-Intendantin Veronica Kaup-Hasler, der frühere Kulturlandesrat Kurt Flecker, Publizist Philipp Blom und Peter Weibel, Noch-Chefkurator der Neuen Galerie. Rein ökonomisch betrachtet, zitierte Moderator Michael Tschida (Kleine Zeitung) eingangs aus einer Studie, ist etwa Deutschlands Kultur- und Kreativwirtschaft die drittgrößte Branche nach Maschinenbau- und Autoindustrie. Im Lichte dessen lässt sich auch die Kulturförderung in der Stiermark betrachten. Sie macht gerade 1,2 Prozent des Landesbudgets aus; trotzdem lautet die aktuelle Sparvorgabe: minus 25 Prozent. Solcher Sparzwang sei "der größte Beitrag zur Verblödung der Menschheit", postulierte Peter Weibel: "Die Kultur subventioniert die Wirtschaft. Und sie ist gut für die Menschen." Als systemrelevant gelte sie wundersamerweise aber nicht. In die Kultur zu investieren sei nicht schick, gab Kurt Flecker ein Generalthema des Abends vor, "weil sich auch die Kulturpolitiker nicht dafür interessieren". Deren Gebaren sollte im Zuge der zweieinhalbstündigen Diskussion im vollen Saal noch für etliche Aufwallung sorgen, die letztlich in die Forderung nach Abtreten des (abwesenden) Kulturlandesrats Christian Buchmann mündete.
Konstruktivere Überlegungen gab es auch: So plädierte Philipp Blom in Anbetracht der kulturpolitischen Misere für mehr Hinwendung zum privaten Mäzenatentum: "Auch die Abhängigkeit vom Staat schafft gewisse Dynamiken. Sie ist so nicht abzuschaffen, aber man kann sie diversifizieren." Veronica Kaup-Hasler, mit privaten Sponsoren selbst in gutem Einvernehmen, empfindet ihre Rolle da als "sehr ambivalent." Vor allem die ständige Forderung nach "Mehrwert, nach Projekten, die entweder ökonomisch oder gesellschaftlich genützt werden können" ist ihr suspekt: "Ich plädiere dafür, dass in der Kunst nicht alles sofort verwertbar sein muss." Auch derlei ließe sich übrigens als kulturpolitischer Auftrag verstehen.








