Gläubig und geschäftstüchtig
Kurpfuscher oder Wunderheiler? Der Höllerhansl war ein Zerrissener.
RACHLING. Neun Kilomter sind es vom Bahnhof Stainz bis zum Haus des Johann Reinbacher in Rachling: Kranke hatten eine beachtliche Wegstrecke zurückzulegen, wollten sie zum "Höllerhansl". Dass viele von ihnen mit der Bahn bis Stainz anreisten, ist bis heute nicht vergessen. Denn der Stainzer "Flascherlzug" hat seinen Namen von den Gefäßen, die die Kranken transportierten.
Der Ruf des "Höllerhansl", heilen zu können, führte auch Prominente in den Ort. So soll die "Königin von Portugal" in Rachling gewesen sein - ebenso wie ein "indischer Fürsten" und die ägyptischen Prinzessin Iffet.
Mader führt in seinem Buch auch einen Brief an, den Marie Fürstin von Thurn und Taxis an Rainer Maria Rilke gerichtet hat: In dem Schreiben empfiehlt die Adelige dem Dichter einen Besuch bei dem "bäuerlichen Wunderheiler". Der habe auch ihrer Schwester Carola helfen können.
Der "Höllerhansl", dessen Ehefrau Cilli für das Geschäft zuständig gewesen ist, war laut Mader "ein Zerrissener", denn er sei ein tief gläubiger Mensch gewesen, der kranken Menschen helfen wollte. Ein Medizinstudium sei für den aus einfachsten Verhältnissen stammenden Mann aber nicht in Frage gekommen. Die Meinungen über die Fähigkeiten des "Höllerhansl" gingen schon zu Lebzeiten auseinander. Für die einen war er ein begnadeter Heiler, für die anderen ein geschäftstüchtiger Kurpfuscher.
In Rachling hat Reinbacher übrigens mit dem Bau einer Kapelle begonnen, die jedoch erst nach seinem Tod von der Gemeinde fertiggestellt worden ist.









