Fesselnde sakrale Klangrede
Erstmals dirigierte Nikolaus Harnoncourt bei der "styriarte" die c-Moll-Messe von Wolfgang Amadeus Mozart: Eine Sternstunde in der Pfarrkirche Stainz.

Foto © APANikolaus Harnoncourt
Die "Zweitverwertung" in Form der selten zu hörenden Kantate "Davide penitente" stand 2005 auf dem Programm, das ungleich populärere "Original", Wolfgang Amadeus Mozarts unvollendete c-Moll-Messe, folgte erst heuer. Und bescherte der Reihe der Sakralkonzerte in der seit 1989 von der "styriarte" bespielten Pfarrkirche Stainz einen weiteren Höhepunkt.
Hatte Nikolaus Harnoncourt 1985 bei seiner Einspielung des Torsos noch zu den Ergänzungen von Franz Beyer gegriffen, so wählt er seit seiner Aufführung bei den Salzburger Festspielen 1993 (am Ort der Uraufführung, der Erzabteikirche St. Peter) die schon von Herbert von Karajan und Claudio Abbado favorisierte Rekonstruktion durch Helmut Eder. Der Salzburger Komponist sei "sehr nobel umgegangen mit dem Original", begründet Harnoncourt seine Entscheidung für dessen Version, deren Instrumentierung er aber im Detail modifiziert und dem historischen Instrumentarium seines Concentus Musicus Wien anpasst.
Mit ihm gestaltete er eine über weite Strecken fast kammermusikalische Aufführung, in der etwa die Streicherbewegungen in dem von jeder Erdenschwere befreiten "Gloria" in aller motivischen Klarheit erklingen oder die Verflechtungen der Solobläser und Streicher im sphärischen "Et incarnatus est" ein Maximum an Transparenz gewinnen.
Freudiger Glanz
Ohne den landläufig üblichen Versuch zu machen, die Partitur einzuebnen, führt Harnoncourt deren Heterogenität vor. Er unterstreicht im Eröffnungssatz des "Gloria" und in den Chören die Nähe zu Händel und die barocken Züge im "Hosanna", betont den Motettenton im "Laudamus te", die Nähe zum Requiem im "Qui tollis" und nicht zuletzt die Sinnlichkeit der italienischen Vokalmusik.
Mit dem Arnold-Schoenberg-Chor, der auch ohne räumlich getrennte Aufstellung die Doppelchörigkeit des "Qui tollis", "Sanctus" und "Hosanna" prägnant verdeutlichte, und dem ebenso farbig wie differenziert musizierenden Concentus arbeitete Harnoncourt mit großer dramatischer Kraft den grundsätzlich freudigen und glanzvollen Charakter der Messe-Sätze heraus.
Viel Zeit ließ er den Solistinnen, während der Tenor Herbert Lippert und der Bariton Thomas E. Bauer kaum gefordert waren. Kultiviert sang Marie-Claude Chappuis das "Laudamus te" mit leicht rauchigem Mezzo. Julia Kleiter öffnete mit ihrem Unschuldssopran im "Et incarnatus est" den Himmel und betörte zuvor mit der Motette "Exsultate, jubilate", deren "Alleluja" sie mit mitreißendem Jubelton vortrug.








