Zeugen unter Druck gesetzt: Anzeige
Der Schwanberger Pflegeskandal weitet sich immer mehr aus. Auch während der kriminalpolizeilichen Ermittlungen werden offensichtlich Zeugen durch Telefonanrufe unter Druck gesetzt.

Foto © APADie Ermittlungen im Schwanberger Pflegeskandal sind noch im Anfangstadium
Die Ermittlungen im Schwanberger Pflegeskandal sind noch im Anfangstadium, da liegt bereits eine neue Anzeige vor. Diesmal wegen möglicher Einschüchterung von Zeugen. Anzeiger ist ein Krankenpfleger, der - wie seine Kollegen auch - einen Anruf einer Vorgesetzten erhielt. Sie teilte ihm mit, dass morgen zwei Psychiater im Pflegeheim seien und er ihre Hilfe in Anspruch nehmen könne. Und: Man wisse eh, wer die Sache ins Rollen gebracht habe. Das werde Konsequenzen haben. Die Kages sitze am längeren Ast.
"Mit solchen Methoden wurden wir seit Jahren eingeschüchtert", sagt Betriebsratsobmann Harald Perstaller. "Es ist ungeheuerlich." Die Kages distanziert sich von diesen Anrufen und kündigt Konsequenzen an.
Nachdem der Direktor des Landespflegeheimes Schwanberg bereits am Mittwoch in den Urlaub geschickt wurde, befindet sich seit Donnerstag auch seine Stellvertreterin im Urlaub. Man habe sich darauf geeinigt, so Pressesprecher Reinhard Marzik. Auslöser für die Maßnahme sei der Zwischenbericht der Staatsanwaltschaft gewesen. Suspendierungen hält man bei der Kages aber nicht für notwendig.
Überhaupt: Die schwerwiegenden Vorwürfe (wie Körperverletzungen, Vergewaltigungen usw.) stellen sich für die Kages anders dar, als in den Medien geschildert. Die Vorfälle seien größtenteils protokolliert, versichert Marzik. "Es schaut alles nur ganz anders aus, als in den Medienberichten." Es habe auch keine Personal-Fluktuation gegeben und auch die Krankenstände seien in Schwanberg nicht höher als in anderen Einrichtungen für psychisch Kranke.
Entgegen den Behauptungen der Kages bestätigen sich die Vorwürfe durch die Zeugenaussagen. Übereinstimmend wird behauptet, dass das Betriebsklima längst am Nullpunkt angelangt war. "Viele haben den Druck nicht mehr ausgehalten und gekündigt. Zum Teil haben die Betroffenen sogar freiwillig auf ihre Abfertigung verzichtet und sind gegangen", sagt der Betriebsrat.
Bei der Kages habe man im April dieses Jahres durch einen anonymen Brief erstmals Hinweise auf Missstände erhalten. Im letzten Satz war von Misshandlungsfällen die Rede, die - so wörtlich - "vom Pflegedirektor ungeahndet bleiben".
Dieser letzte Satz war ausschlaggebend gewesen, dass Peter Schweppe, Chef der Kages-Rechtsabteilung, höchstpersönlich nach Schwanberg fuhr, um sich Klarheit zu verschaffen. Kontrolliert habe er nicht, so Schweppe. Er habe aber mit dem Direktor, mit Führungs- und auch mit Pflegepersonal sowie dem ärztlichen Leiter gesprochen. Niemand habe von Misshandlungsfällen gewusst. Eine Woche lang hätten sich bei ihm Auskunftspersonen melden können. Schweppe: "Es hat niemand angerufen."








