Schwere Vorwürfe gegen Direktor
Im Pflegeheim in Schwanberg soll es zu Beschimpfungen, Körperverletzungen und vertuschten Vergewaltigungen gekommen sein. Auch der Pflegedirektor soll an den Misshandlungen beteiligt gewesen sein.

Foto © KagesSeit Tagen ermittelt die Kripo im Pflegeheim
Seit Jahren soll es in einem Pflegeheim in Schwanberg (Bezirk Deutschlandsberg) zu groben Übergriffen an kranken Pfleglingen gekommen sein. Der Kleinen Zeitung liegen Unterlagen und Insider-Informationen vor, welche die schweren Vorwürfe bestätigen. Es geht um Körperverletzung, eine vertuschte Vergewaltigung und um Misshandlungen.
Die Vorwürfe richten sich gegen den Pflegedirektor und einen Teil seines Führungspersonals. Der Chef selbst soll während des Nachtdienstes einen geistig behinderten Pflegling niedergerungen und auf ihn eingeschlagen haben. Ein anderer psychisch kranker Heiminsasse musste zur Strafe splitternackt im Schnee stehen. Erst nach zehn Minuten durfte er wieder in sein Zimmer zurückkehren.
Ein Stationsleiter wurde beobachtet, wie er einen Patienten getreten hat. Als eine Pflegerin den Vorfall dem Direktor meldete, sprach dieser ihre fristlose Entlassung aus. Die Frau musste nach fünf Tagen wieder eingestellt werden. Die Missstände wurden nicht abgestellt, wie aus den Unterlagen hervorgeht.
Hämatome und blaue Flecken stellten Pfleger gleich bei mehreren Patienten fest. "Immer, wenn eine bestimmte Kollegin Dienst hatte, bemerkten wir diese Verletzungen", so Insider.
Beschwerdebrief
Es wurde sogar das Bundeskanzleramt eingeschaltet. Der Beschwerdebrief ging zurück an die zuständige Landesrätin und von dort an die Krankenanstaltengesellschaft (KaGes). Dort kam man zu der Ansicht, dass keine Verfehlungen vorliegen. Der Fall wurde ad acta gelegt. Nach dem Verfasser des Beschwerdebriefes wird aber noch immer gesucht.
Zwei weitere Fälle: Ein psychisch kranker Patient soll eine ebenfalls psychisch kranke Frau mehrmals vergewaltigt haben. Konsequenzen gab es keine. Erst als der "Täter" den Direktor beschimpft hat, wurde er verlegt.
Einem anderen Pflegling wurde von einem Pfleger mit einem Schlag das Nasenbein gebrochen. Das Opfer musste im Krankenhaus behandelt werden.
"90 Prozent der Pfleger sind in Ordnung und kümmern sich pflichtbewusst um ihre Pfleglinge", wird versichert. "Nur einige wenige sind schwarze Schafe." Jahrelang versuchten Bedienstete, die Missstände aufzuzeigen. Statt einzugreifen, soll der Direktor die "Aufdecker" unter Druck gesetzt haben. Erst jetzt, nachdem das Innenministerium davon Kenntnis erlangt hat, wurde das Landeskriminalamt eingeschaltet. Oberst Alois Eberhart und Mordgruppenchef Anton Kiesl bestätigen Ermittlungen, nennen aber keine Details. Ein KaGes-Sprecher: "Wir unterstützen Kripo und Staatsanwaltschaft bei der Aufklärung." Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung.
Stellungennahme der KAGes
Von der KAGes hieß es, es stünden furchtbare Verdächtigungen im Raum, "wir werden alles tun, um zu einer raschen Aufklärung beizutragen". Von der Anstaltsleitung war zunächst niemand erreichbar. Im Sonderpflegeheim Schwanberg, das über 164 Betten verfügt und offen geführt wird, werden psychisch chronisch Kranke betreut.
Prüfung brachte kein Ergebnis
Wie sich herausstellte, beschäftigten Probleme im Pflegeheim Schwanberg bereits vor zwei Monaten die Stellen des Landes. Wie es aus dem Büro von Spitalslandesrätin Bettina Vollath (S) hieß, habe die Zentralbehindertenvertrauensperson über Gerüchte berichtet. Man habe umgehend den Vorstand der KAGes informiert und um Prüfung gebeten. Allerdings hätten sich die Fakten nicht erhärtet - die Prüfung habe kein Ergebnis gebracht. Aufgrund der jüngsten Entwicklung müsse es eine Neubewertung und Sofortmaßnahmen geben: "Das ist ein hochsensibler Bereich, das kann man definitiv nicht auf die leichte Schulter nehmen", so Kerstin Slamanig, Sprecherin von Landesrätin Vollath.
Kommission soll Vorwürfe klären
Vollath kündigte noch am Dienstagabend die Einrichtung einer Kommission an, die das System überprüfen soll. Sie habe die Krankenanstaltengesellschaft KAGes auch bereits beauftragt, bei der Staatsanwaltschaft den Stand der Erhebungen zu erkunden, sagte Vollath in der "ZiB2". Die Konsequenzen könnten auch zur Suspendierung von Verdächtigen führen. Eine "lückenlose Aufklärung" sei ihr jedenfalls "ein großes Anliegen", versicherte Vollath.
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Im Sonderpflegeheim Schwanberg, das über 164 Betten verfügt und offen geführt wird, werden psychisch chronisch Kranke betreut.








