Die letzten Stricke werden bald gedreht
In der Steiermark gibt es nur noch zwei Seiler. Einer davon ist Friedrich Teppernegg aus Preding. Weil das alte Handwerk bei der Jugend auf wenig Interesse stößt, wird er seine Werkstatt demnächst schließen.

Foto © PACHERNEGG Das Berufsbild des Seilers schließt auch das Flechten von Netzen mit ein. Teppernegg flicht drei Stunden lang an einem seiner Streubögen
Fasern flimmern im Sonnenlicht. Es riecht modrig. Dumpfes Rattern erfüllt das alte Mauerwerk einer Kellerwerkstatt. In der Steiermark gibt es nur noch zwei Orte, an denen das uralte Handwerk der Seiler ausgeübt wird. Einer davon ist Preding, wo Friedrich Teppernegg eine Seilerei betreibt.
Seit Jahrzehnten dreht er hier in seiner kleinen Werkstatt Seile und knüpft Netze. Der zweite Seiler, Gustav Gröhl, lebt in Kindberg im Bezirk Mürzzuschlag. "Mein Berufsstand ist am Aussterben. Wir sind in der Steiermark die Letzten unserer Zunft", erklärt Teppernegg.
Dafür verantwortlich sei die schlechte Auftragslage. Seit die Bauern ihre Rinder nicht mehr mit Stricken im Stall anbinden dürfen, sind die Strick-Bestellungen nämlich drastisch zurückgegangen. Nur gut, dass Teppernegg ohnehin an der Schwelle zur Penison steht. Er selbst arbeitet bereits in der vierten Generation als Seiler, doch keines seiner Kinder wollte in die Fußstapfen der Ahnen treten. "Ich werde meine Werkstatt sehr bald schließen. Jedes meiner Kinder könnte Seile drehen und Netze knüpfen, aber ich bin nicht enttäuscht, dass sie den Beruf nicht gewählt haben", erzählt Teppernegg.
Dennoch stimmt es ihn ein bisschen wehmütig, dass der Berufsstand der Seiler in den letzten Jahren zunehmend in den Hintergrund gerückt ist: "Vor etlichen Jahren gab es in jedem Dorf einen eigenen Seiler. Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen." Er und sein obersteirischer Kollege haben noch in Niederösterreich eine Seilerschule besucht und dort ihren Lehrabschluss gemacht. Teppernegg hat sogar die Meisterprüfung abgelegt und 1987 den väterlichen Betrieb übernommen.
Über die Jahre hinweg hat die Modernisierung aber auch in Tepperneggs kleiner Werkstatt Einzug gehalten. "Ich drehe alles. Vom Hanfseil bis zum Bungee-Jumping Seil", erklärt er stolz, während er seine alte Drehmaschine einschaltet.
Seile für die Oper
Geschickt spannt er dabei mehrere Hanfstränge in die Maschine ein und dreht die Litzen dann mit einer Lehre, einem Holzstück zur Führung der Stränge, zu einem Strick. Bereits nach wenigen Minuten hält er ein fertiges Seil in seinen Händen. Zu den besten Zeiten arbeitete der Predinger für die Grazer Oper, das Grazer Schauspielhaus und die Rettung.
Trotz der stark sinkenden Nachfrage spricht Teppernegg noch immer von einem Traumberuf: "Man wird nicht dreckig und ich kann von zu Hause aus arbeiten. Für mich gibt es nichts Besseres."









