Ein neues Heim für den bissigen Juppi
Der Berberaffe aus dem Tierpark Preding, der am vergangenen Sonntag ein Kind biss, wird nun doch nicht eingeschläfert. Er erhält neues Gehege. Die Parkbesitzerin wundert sich über unvorsichtige Gäste.

Foto © Thomas Wieser
Wir werden ihn jetzt einschläfern lassen, sonst weiß ich nicht mehr, was ich tun soll", hatte Magrid Brauchart in einer ersten Emotion erklärt. Berberaffe "Juppi", einer von 18 Affen im Tier- und Wildpark Preding, hatte am Sonntag einen vierjährigen Buben aus dem Bezirk Graz-Umgebung in die Hand gebissen und dabei schwer verletzt.
Nicht zum ersten Mal - auch im vergangenen Jahr hatte "Juppi" zwei Kinder in die Hände gebissen. Jedes Mal hatten die Eltern laut Tierpark-Besitzerin Brauchart die Tafeln - die vor der Bissigkeit der Tiere warnen - ignoriert und die Kinder über die Zäune vor den Gehegen gehoben. "Manche Eltern ignorieren die Verbote", ärgert sich Brauchart. "Die Leute filmen sich sogar noch dabei, wie sie die Kinder über die Absperrungen heben."
Auch Tierarzt Johannes Wipplinger, der sich um die knapp 500 Tiere in Preding kümmert, wundert sich: "Es gibt immer wieder unvernünftige Gäste. Manche glauben, dass man alles, was man anschaut, auch angreifen kann. Die Affen sind aber Raubtiere."
Nach dem letzten Vorfall hatte sich auch Michael Höllwarth, Vorstand der Kinderchirurgie Graz, zu Wort gemeldet: "So eine Verletzung ist vermeidbar, egal, ob jetzt die Eltern, Kinder oder Affen Schuld sind." Sogar die Staatsanwaltschaft Graz hatte in den vorangegangenen Fällen wegen fahrlässiger Körperverletzung ermittelt - alle Verfahren gegen Brauchart wurden eingestellt.
Keine Einschläferung
Nicht zuletzt deshalb ist es nun für Brauchart auch kein Thema mehr, den fünfjährigen, zahmen "Juppi" einschläfern zu lassen. Er wird aber - um auf Nummer sicher zu gehen - ein eigenes Gehege erhalten, das er mit einem Weibchen bewohnen soll. Ganz billig wird die Errichtung aber nicht werden, Brauchart rechnet mit Kosten von 25.000 Euro. In drei Monaten könnte das neue Gehege fertig sein.
Magrid Brauchart, die den Wild- und Tierpark seit sieben Jahren führt, gibt sich kämpferisch: "Wir haben 1,2 Millionen Euro reingesteckt, alles aus eigener Kraft und mit Idealismus geschafft. Das ist mein Lebenswerk, wir werden ein Vorzeigezoo."








