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Zuletzt aktualisiert: 01.09.2010 um 10:17 UhrKommentare

Grün ist die Weisheit

Roswitha und Franz Riedl haben sich in Preding auf 5.000 Quadratmetern Schritt für Schritt ihren Gartentraum erfüllt. Garteln und genießen lautet ihr Motto. Gerne lassen sie daran auch den Rest der Welt teilhaben.

Foto © Riedl

Am Anfang war eine Wiese. Als Roswitha und Franz Riedl vor zehn Jahren ihr neu gebautes Haus in Preding bezogen haben, lag das dazugehörende 5000-Quadratmeter-Grundstück wie ein leeres Reißbrett vor ihnen. Dementsprechend erinnert sich die Gärtnerin noch heute genau an das erste Beet, das sie angelegt hat. "Darin habe ich alle Pflanzen gesetzt, die ich zur Sponsion bekommen habe." Heute nennt sie die Rabatte mit einer steinernen Spirale in der Mitte "Raum des Wissens" - so wie sie alle ihre Beete als Räume versteht. "Der Garten war nie als Ganzes geplant. Er ist Stück für Stück gewachsen. Jedes Jahr kommt ein neues dazu."

Und das hat einen Grund: Die Familie versteht die "Pflanzenzimmer" als Erweiterung des Hauses. Der Rasen als Teppich, Sträucher als Wände, Blüten und Skulpturen als Accessoires, möbliert mit vielen Sitzgelegenheiten. Jeder Bereich ist thematisch zugeordnet: ein Zimmer den Rosen, ein Hausgarten, in dem Kulturpflanzen und Kräuter in Hochbeeten wachsen, ein Liebesgarten, in dem Pflanzen wachsen, denen man aphrodisierende Wirkung nachsagt, einer nennt sich gar grünes Besprechungszimmer. Und der ganze Garten ist heute quasi das Büro der Riedls, in dem die beiden Trainer Seminare abhalten, wenn das Wetter passt.

Eigener Hände Arbeit

Und wie beim Einrichten steht keine Pflanze zufällig an ihrem Platz, Farben und Materialien sind mit Bedacht gewählt. "Wir verwenden nur Pflanzen, die bei uns gedeihen und winterhart sind, und nur Material, das für die Region typisch ist", sagt Roswitha Riedl und meint zum Beispiel den Stainzer Gneis, aus dem Mäuerchen und Trittplatten bestehen.

Auch beim dreistöckigen Vollholz-Haus hat das Paar auf biologische Materialien geachtet. Etwa das unbehandelte Lärchenholz, das sich nicht nur an der Hausfassade oder beim Gartenzaun, sondern auch als Rabattenbegrenzung wiederfindet. "Wir haben jede Pflanze selbst gesetzt, jeden Stein selbst verlegt", ist Franz Riedl stolz auf ein Jahrzehnt Arbeit, dessen Ergebnis heute im Rahmen von Führungen besichtigt werden kann.

Kein Architekt, kein Gärtner, hatte seine Finger im Spiel - nur ein Baggerfahrer, der in das Grundstück in Hanglage Terrassen und Vertiefungen gegraben und Plateaus aufgeschüttet hat. Aber auch bei einem Muster-Gärtner klappt nicht immer alles auf Anhieb, wie etwa bei der Naturarena, die wie ein Mini-Amphitheater als Seminarraum im Freien dient. "Drei Jahre lang haben wir nicht so recht gewusst, was wir an dieser Stelle machen sollen", erinnert sich die Trainerin, während sie auf der Klangschale in der Mitte des Platzes einen Ton anschlägt. "Dann hatte ich eines Nachts einen Traum, in dem ich den fertigen Raum gesehen habe. Ich habe sofort wieder den Baggerfahrer kommen lassen."

Garteln und genießen

War ihr Mann anfangs vom Thema Garten nicht gerade stürmisch begeistert, hat er nicht nur bald angefangen, fleißig mitzuarbeiten, heute fertigt er Skulpturen, die zum Beispiel in der Tagliliensammlung seiner Frau zur Geltung kommen - zwischen über 300 verschiedenen Sorten.

Wie viel Arbeit diese Oase macht? "Es glaubt uns niemand. Aber wenn wir einen Tag pro Woche gemeinsam garteln, bleibt alles in Schuss", sagt der Hausherr. Und das ist ihnen wichtig, denn wenn man seinen Garten zeitweise quasi zum Büro macht, muss man selbst auch einfach einmal die Füße hochlegen können. KARIN RIESS


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