Kälteschock für "Schwarzfahrer"
Weil er seinen Fahrschein vergessen hatte, wurde ein 15-jähriger Lehrling bei minus acht Grad nahe Preding aus dem Zug geworfen.
Fahrscheinkontrolle! Ein Begriff, der beim fünfzehnjährigen Grazer Wilhelm Seidl böse Erinnerungen weckt. Weil er seinen Fahrschein zu Hause vergessen hatte, wurde er kürzlich auf der Strecke Preding- Graz an einem unbesetzten Bahnhof des Zugs verwiesen; um 17 Uhr nachmittags bei einer Außentemperatur von minus acht Grad.
Des Zuges verwiesen. Nach einem Acht-Stunden-Arbeitstag konnte Wilhelm bei der abendlichen Heimfahrt weder Fahrschein noch Personalausweis vorweisen. Weil er außerdem kein Bargeld bei sich hatte und auch angab, dass es ihm aufgrund seiner Arbeitszeiten nicht möglich sei, den Schein am nächsten Tag im Büro der Graz Köflacher Bahnen (GKB) vorzuweisen, wurde er vom Schaffner kurzerhand des Zugs verwiesen.
Guthaben verbraucht. "Glücklicherweise hat in diesem Moment eine Bekannte bei Wilhelm angerufen", so sein Vater Michael Seidl. "So konnte ich ihn eine Stunde später abholen. Wer weiß, wie lang er sonst in der Kälte gestanden hätte." Denn ausgerechnet an diesem Tag war das Guthaben von Wilhelms Handy verbraucht.
Beförderungsbestimmungen. Franz Fromm von der Arbeiterkammer ist verwundert: "In den Beförderungsbestimmungen der Bundesbahnen ist zwar geregelt, dass man auf diese Weise vorgehen darf. Eigentlich werden Fahrgäste aber nur in besonders schweren Fällen von der Beförderung ausgeschlossen."
Klärendes Gespräch. Dem stimmt auch Klaus Edlinger von der GKB im Gespräch mit der Kleinen Zeitung zu. "Es handelt sich beim betreffenden Schaffner um einen jungen und unerfahrenen Mitarbeiter", so die Begründung. "Er hätte auch einfach die Daten des Fahrgastes aufnehmen und es dabei belassen können." Ein klärendes Gespräch durch die übergeordnete Dienststelle habe es bereits gegeben.








