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Zuletzt aktualisiert: 26.07.2008 um 21:22 UhrKommentare

Ein Relikt aus der Kohlezeit

Der Kohlebergbau prägte Pölfing-Brunn mehr als ein Jahrhundert lang. Die Arbeitersiedlung "Kolonie" erinnert an längst vergangene Zeiten.

Foto © Gemeinde Pölfing-Brunn

Wer heute durch den schmucken Markt Pölfing-Brunn fährt, wird kaum merken, dass der Ort in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts zum bedeutendsten Kohlerevier der Monarchie zählte. Nur dem aufmerksamen Beobachter werden die grün bewachsenen Halden und die systematisch angelegten Häuserzeilen der ehemaligen Arbeitersiedlung, auch "Kolonie" genannt, auffallen.

Um 1870 ließ hier der damalige Direktor der Bergbaugesellschaft Wenzel Radimsky eine Siedlung für etwa 1000 Bergleute errichten. Nach englischem Vorbild gebaut, galt diese "Colonie" damals als ein Musterbeispiel des sozialen Wohnbaues. Aus dieser Zeit stammt auch die Volksschule. Die wechselvolle Geschichte des Kohlebergbaues spiegelt sich in der Belegung dieser Siedlung wider. Die über 130 eingeschossigen Arbeiterhäuser, die zu Fünfer- und Siebener-Reihen gruppiert sind, waren in der Blütezeit des Bergbaues überbelegt. Der Einsturz des Hauptschachtes im Jahr 1897 führte zu einem starken Rückgang der Förderung, so dass etliche Häuser vorübergehend verwaist waren. Erst mit dem neuerlichen Kohleabbau in Jagernigg und Bergla war die Kolonie wieder voll bewohnt.

Wie der Vater, so der Sohn. Josef Narath ist einer der wenigen pensionierten Bergleute, die noch in der Kolonie wohnen. "Mein Vater war Knappe, also sind mein Bruder und ich auch Bergleute geworden", erzählt Narath. In Erinnerung sind ihm bei der beschwerlichen Arbeit vor allem die tragischen Erlebnisse geblieben, bei denen etliche Kumpel ums Leben kamen.

Farbe und Lebendigkeit. Die Graz-Köflacher Bergwerks- und Eisenbahngesellschaft, die Jahrzehnte hindurch Besitzer der Siedlung war, beschloss im Jahr 1957, die Häuser und Wohnungen günstig an die Mieter zu verkaufen. Die geringe Größe der Wohneinheiten - etwa 40 Quadratmeter - und die schlechte sanitäre Ausstattung löste nach dem Verkauf eine intensive Bau- und Modernisierungstätigkeit aus. Die Kolonie änderte dabei sehr stark ihr Gesicht. In das vorher uniforme Siedlungsbild kamen Farbe und Lebendigkeit.

Reihenhaus-Charakter. Andererseits drohte ihr Charakter und die vorhandene Maßstäblichkeit vollends verloren zu gehen. "Deshalb haben wir seitens der Gemeinde darauf geachtet, dass der Reihenhaus-Charakter im weitesten Sinn beibehalten wird und keine weiteren Bausünden passieren", erklärt Bürgermeister Horst Pölzl. Änderungen der Dachformen oder Aufstockungen der Koloniehäuser werden von der Gemeinde nicht mehr genehmigt.

HANS AST

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