Lobbying im Tunnel
Elf Europaparlamentarier besuchten die Baustelle des Koralmtunnels. Wird das Projekt nämlich Teil einer von der EU forcierten Schienenachse von der Ostsee an die Adria, fließen Förderungen.
Der Koralmtunnel ist erst wenige hundert Meter lang - trotzdem sind hohe Besuche vor allem aus der Politik fast schon Routine geworden. Der Tunnel war und ist ja immer wieder Mittelpunkt von Diskussionen. Gestern war es wieder so weit: Mit einem Besuch der Baustelle in Groß St. Florian wurde Lobbyismus gemacht für die Baltisch-Adriatische Verkehrsachse von der Ostsee ans Mittelmeer. Darin bilde die Koralmbahn das Herzstück, formuliert es Hella Ranner (VP), steirische Europaabgeordnete.
Ranner kam mit einer elfköpfigen Delegation des Verkehrsausschusses des Europaparlaments und dessen Leiter Brian Simpson aus England. Er sollte vom Mehrwert dieser Eisenbahnachse überzeugt werden, denn Österreich erhofft sich eine finanzielle Unterstützung der EU für den Bau des Koralmtunnels.
Die EU überarbeitet derzeit die Liste prioritärer Schienenprojekte und will sie durch ein Kernnetz ersetzen. Schafft es die Baltisch-Adriatische Achse in diesen Kreis, wird auch Geld von der EU fließen. Die Entscheidung soll im Frühjahr 2011 fallen.
Die Delegation traf Mittwochabend mit Franz Voves (SP) in Graz zusammen, wo auch der Landeshauptmann die Trommel rührte: Es müsse nicht sein, dass jedes Jahr 200.000 Autos aus steirischer Produktion in Bremerhaven anstatt an der Adria verschifft werden. "Aus meiner Sicht sind die Chancen intakt", meinte Ranner. Italien trieb seine Bahnstrecke bis an die Staatsgrenze voran, in Wien gehört der neue Zentralbahnhof ebenfalls zur Achse wie die neue Südbahn mit dem Semmeringbasistunnel.
Verlinktes Europa
"Es ist wichtig, dass Länder und Regionen entlang der Achse für dieses Projekt sind und es unterstützen. Entscheidend ist, dass Europa sich durch solche Projekte verlinkt", sagte Simpson. Auch Verkehrslandesrätin Kristina Edlinger-Ploder (VP) bleibt optimistisch: "Wir streben den Brückenschluss vom Baltikum an die Adria bereits seit Jahren an, auch wenn wir die Hauptlast der Finanzierung tragen müssen."
Features
DIE ACHSE
An der baltisch-adriatischen Achse hängen 20 Regionen aus Polen, Tschechien, der Slowakei, Österreich und Italien. Die Strecke verläuft von Danzig nach Bologna und es geht darum, die Schieneninfrastruktur mithilfe der EU zu verbessern. Der Koralm- und der Semmeringtunnel sind Schlüsselprojekte.
Die Achse soll über die ehemalige Bruchlinie Europas hinweg aufstrebende Wirtschaftsregionen vernetzen, für eine zusätzliche Alpen querende Nord-Süd-Verbindung sorgen und andere Verkehrsachsen entlasten.







