Das papierene Klassenbuch ist bald Geschichte
In steirischen Schulen geht der Trend zum elektronischen Klassenbuch. Die Lehrer machen ihre Eintragungen am PC. Verschwinden kann das "Buch" damit nicht mehr so leicht.

Foto © KLZ DIGITAL/ScheriauBald wird das hart gebundene Buch nur noch als Schaustück in der Schulbibliothek zu bewundern sein
"Wo ist das Klassenbuch?" Ein Schelm, wer bei der obligaten Frage des Klassenvorstandes Böses denkt. Die Frage bleibt trotz ein paar erleichterter Gesicht in der Klasse meist unbeantwortet. Bisher zumindest. Denn bald wird das dunkle, hart gebundene Buch mit dem manchmal unbarmherzigen Inhalt nur noch als Schaustück in der Schulbibliothek zu bewundern sein. Die Einträge sind dann in einem Computerprogramm zu finden. Und die Aufforderung: "Da fehlt eine Paraphe", kann den Lehrern somit auch bequem digital übermittelt werden.
Mehrere Schulen in der Steiermark haben laut Landesschulrat bereits das elektronische Klassenbuch im Gebrauch. Unter ihnen ist das BORG Deutschlandsberg, das schon im zweiten Jahr auf die digitale Variante setzt. "Es gab viel Unmut über die alte Papierform", sagt Direktor Fritz Malli. "Zum Beispiel, dass eben immer wieder Klassenbücher verloren gehen." Ob solche Fälle immer Zufall sind oder doch manchmal ein Schüler seine Finger im Spiel hatte, lässt sich im Nachhinein schwer eruieren.
Auch ein Computerprogramm ist natürlich vor Eindringlingen nicht gefeit. Derartige Hack-Versuche gab es in Deutschlandsberg noch nicht. Malli betont lieber die Vorzüge: "Es geht weniger Unterrichtszeit verloren, das Klassenbuch musste oft herumgetragen werden. Außerdem ist es einfach schneller." Die Lehrer er Schule machen die Einträge am PC im Konferenzzimmer oder zu Hause.
Um die 600 Euro kostet die Einführung des elektronischen Klassenbuchs für eine Schule mit rund 500 Schülern. Der Landesschulrat unterstützt das Projekt mit Lehrerschulungen und Sammelbestellungen.
Features
Lena Hoschek, Designerin:
"Ich hatte schon einige Klassenbucheintragungen. Einmal habe ich mit den Burschen so einen Radau gemacht, dass wir wir alle fünf einen Eintrag ins Klassenbuch bekommen haben. Ich war halt extrem frech. Im Betragen hatte ich fast immer ein "Wenig zufriedenstellend".
Thomas Glavinic, Autor
"Ich kann mich nicht mehr im Detail an meine Einträge erinnern - es waren einfach zu viele. Irgendein Wohltäter hat das Buch dann abhanden kommen lassen. Anfangs schreckt einen ein Eintrag, aber je länger die Schullaufbahn, desto mehr ist es einem wurscht."
Claudia Reiterer, Moderatorin:
"An meine Klassenbucheintragungen kann ich mich nicht mehr erinnern. Dafür aber an eine Ohrfeige, die ich in der ersten Klasse Volksschule fürs Tratschen vom Pfarrer bekommen habe. Danach habe ich gelernt, mich nicht mehr schnell erwischen zu lassen."
Hannes Androsch, Unternehmer
"Meine beste Betragensnote war ein Zweier, es könnte auch ein Dreier gewesen sein. Ich hatte schon so ein, zwei Einträge, weiß aber nicht mehr, warum. Wir hatten aber einen guten Klassenvorstand. Er hat uns viel nachgesehen."







