"Nur jammern allein ist zu wenig"
Kritik an Stadt sorgt für Ärger in Deutschlandsberg. Neues Konzept wird erarbeitet: Innenstadt soll wie Einkaufszentrum geführt werden.
Für Empörung, aber auch Zustimmung sorgte die Kritik des deutschen Stadtmarketingexperten Christian Klotz an der Stadt Deutschlandsberg (die Kleine Zeitung berichtete). Demnach sehe es in Deutschlandsberg aus wie in "Ostdeutschland nach den Russen", die Stadt drohe zu sterben, wenn nicht die Frequenz gesteigert und neue Betriebe angesiedelt würden.
"Das Ganze ist kontraproduktiv. Er muss froh sein, ohne Anzeige davonzukommen", ärgert sich nun etwa ÖVP-Vizebürgermeister Bernd Köck. "Der Appell von Klotz ging an das falsche Publikum", meint auch Gerd Jauk, Obmann der Einkaufsgemeinschaft City Deutschlandsberg. Peter Prassl, der am Hauptplatz ein großes Textil-Geschäft betreibt, geht hingegen mit Klotz' Aussagen zum Teil d'accord: "Das dramatische Bild wurde zurecht gezeichnet." So bestehe bei der Baustelle beim Hotel Rainer Handlungsbedarf, so müsse sich die Verkehrssituation am Hauptplatz dringend ändern. Auch Gerd Jauk fordert einen Umdenkprozess - bei der Gemeinde, aber auch den Konsumenten. "Denn nur Jammern allein ist zu wenig."
Stadtkern-Belebung
Große Hoffnung setzt man nun auf den Innenstadt-Berater Hans Erwin Draxler. Er betreibt am Semmering die Initiative "Netz.Werk.Stadt", die sich dem Thema Orts- und Stadtbelebung widmet. Im Auftrag von Wirtschaftskammer und Stadtgemeinde soll in der weststeirischen Bezirkshauptstadt ein Pilotprojekt umgesetzt werden. "Die Innenstadt soll dabei wie ein Einkaufszentrum geführt werden", erklärt Draxler.
Was das bedeutet? Die Geschäfts- und Immobilieninhaber sollen ihre Flächen in eine Immobilien-Gesellschaft einbringen, der Geschäftsführer ist mit zahlreichen Vollmachten ausgestattet. "Die große Schwäche war bisher, dass sich die betroffenen Unternehmer, Händler und Wirte nicht den Spielregeln eines gemeinsamen Auftrittes unterworfen haben", erklärt Wolfgang Sauer von der Sparte Handel in der Wirtschaftskammer.
Neuer Start
In Deutschlandsberg seien zunächst mehr Gratis-Parkplätze und eine gute Beschilderung wichtig. "Wichtig ist auch, dass die Firma Pieber neu durchstartet", so Draxler. Franz Pieber will nach einem sechsmonatigen Totalabverkauf nun weitermachen: "Nachdem uns dieses Netzwerk näher gebracht wurde, wollen wir keine Verhinderer sein. Wir sind das größte Unternehmen am Hauptplatz, wir machen mit." Kommenden Dienstag findet nun ein Wirtschafts-Stammtisch statt, Mitte Oktober wird über die weiteren Schritte beratschlagt.









