"Heute sollen alle mitsingen"
Rekordverdächtig: Barbara Mörth spielt seit 1940 die Kirchenorgel der Pfarrkirche St. Lorenzen ob Eibiswald. Auch heute bei der Christmette.
Heute zur Christmette wird Barbara Mörth wieder die Pfeifen der kleinen Orgel im Pfarrkirchlein in St. Lorenzen ob Eibiswald zum Klingen bringen. Für die 84-Jährige und die Kirchengemeinde ist das ein besonderes Ereignis. Denn dann wird sie bereits zum 70. Mal an der Orgel die Kirchenlieder der Messe am Heiligen Abend begleiten. "Ich wünsche mir nur, dass viele Leute kommen und dass alle mitsingen", sagt die Frau, die von diesem Jubiläum sonst gar nicht so viel Aufhebens machen will.
Ihre Organistenlaufbahn in St. Lorenzen ob Eibiswald hat im Kriegsjahr 1940 begonnen. "Mein Bruder Peter hat beim Eibiswalder Organisten das Orgelspielen gut gelernt. Mir hat er daheim am Harmonium das eine oder andere gezeigt. Als Peter dann 1940 in den Krieg einrücken musste, hab halt ich übernehmen müssen", erzählt Barbara Mörth. Aufgeregt war die 14-Jährige da nicht wenig. "Zum Glück haben wir damals oft das Gleiche spielen dürfen, auch damit die Leute die Lieder besser lernen und mitsingen können", ergänzt sie.
Vom Bruder übernommen
Auch als der Bruder zum Glück gesund aus dem Krieg heimgekehrt war, machte Schwester Barbara mit dem Spiel an der St. Lorenzener Orgel weiter. Zusätzlich übernahm sie auch Orgeldienste im nahen Rothwein. Sie spiele gerne, auch um den Chor entsprechend zu begleiten. "Wenn ich patze, schäme ich mich schon sehr, merken es die anderen, umso mehr", gesteht die Rüstige verschmitzt. Dass man selbst im größeren Eibiswald unten auf ihre Tastenkunst nicht immer verzichten konnte, zumindest aushilfsweise, erfährt man nur aus dem näheren Umkreis der bescheidenen Frau.
Vier Kinder, zwei Mädchen und zwei Buben, haben sie und ihr schon vor 22 Jahren verstorbener Mann Walter, ein Briefträger, großgezogen. Drei davon leben in Graz, der Jüngste blieb im Ort. Auf dessen 22-jährigen Sohn Georg setzt sie jetzt einige Hoffnung, dass er ihr an der Orgel nachfolgt. Barbara Mörth: "Er wäre ein echtes Talent, hat ein gutes Gehör, aber noch will er nicht so recht." Da müsse sie wohl noch einige Überzeugungsarbeit leisten.
Rhythmik begeistert
Barbara Mörth hat mittlerweile schon drei Pfarrer überlebt. Musikalisch am einprägsamsten in Erinnerung blieb ihr die Einführung der rhythmischen Lieder in den 1950er- und 1960er-Jahren: "Als das begonnen hat, waren wir alle begeistert."
Jetzt machen die großen Wandlungen, die auch die 200-Seelengemeinde St. Lorenzen treffen, Sorgen. "Leider sind immer weniger Junge im Ort. Hier gibt es keine Arbeitsplätze. Die Jungen ziehen fort", sinniert Mörth. "Dafür sind die Sonntagsmessen jedes Mal ein Fest." Und bei der Christmette ist die Kirche voll, wenn alle singen, ist sie glücklich. "Das ist unsere große Freude."
Features
Zur Person
Barbara Mörth wurde am 10. Dezember 1926 in Hadernigg, heute Gemeinde Aibl, geboren. Sie lebt in St. Lorenzen ob Eibiswald.
Ihre Eltern Barbara und Peter Wildoner förderten das Orgelspiel der Tochter, ihr älterer Bruder Peter brachte ihr das Orgelspiel bei.
Mörth mag besonders die rhythmischen Kirchenlieder und die Kirchenlieder von Haydn und Schubert.
Hobbys: Mörth ist eine begeisterte Leserin der nordischen Literatur, etwa Selma Lagerlöf, und liebt die Gemeinschaft in der Pfarre.
Christmette: Beginn ist um 19 Uhr.








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