Waffe stammte von ArztZweifelhafter Suizid: Wird Fall neu aufgerollt?

Nach Tod eines Oststeirers: Neue Zweifel an Selbstmordvariante im Umfeld eines oststeirischen Arztes, der kürzlich vor Gericht stand. Tochter des Toten kämpft um Wiederaufnahme der Ermittlungen.

Der oststeirische Arzt war wegen Quälens der Kinder angeklagt, in erster Instanz aber freigesprochen. Die Staatsanwaltschaft hat berufen © Christian Penz
 

Ein mysteriöser Todesfall in der Oststeiermark bekommt nach dreieinhalb Jahren neue Brianz, denn ein gerichtsmedizinischer Privatgutachter hält einen Selbstmord - wie offiziell angenommen - für höchst unwahrscheinlich. Die Tochter des Toten kämpft darum, dass die Ermittlungen neu aufgerollt werden. „Ich bin überzeugt, dass sich mein Vater nicht umgebracht hat. Da passt so vieles nicht zusammen. Ich will endlich wissen, was damals im Haus meiner Eltern geschehen ist“, sagt Monja H.

Der tödliche Schuss fiel irgendwann in der Nacht vom 24. auf den 25. September 2014. Der pflegebedürftige Pensionist Alois H. (63) starb. Die Waffe: eine Pistole, Kaliber 6,35. Für die Ehefrau und ihren Geliebten, die im Nebenzimmer geschlafen und keinen Schuss gehört hatten – so ihre Aussagen – war sofort klar: Es war Selbstmord. Auch die örtliche Polizei ging von Suizid aus. Zweifel kamen erst später, nachdem Monja H. massive Bedenken geäußert hatte.

Erst dann wurde eine Obduktion beantragt und eine Schusshandbestimmung durchgeführt. Der Gerichtsmediziner konnte keine Anhaltspunkte für Fremdverschulden finden, heißt es im Gutachten. „Das kann nicht sein“, sagt Monja H. „Die linke Hand war gebrochen und bandagiert, die rechte Hand war schwer eingeschränkt. Mein Vater bekam sie kaum noch bis zur Wange hoch. Wie konnte er sich in dem Zustand hinter dem rechten Ohr waagrecht in den Kopf schießen? Unmöglich.“
Die Tochter beauftragte einen pensionierten Wiener Gerichtsmediziner mit einem Gutachten. Und dieses Gutachten bestätigt ihre Zweifel (wir berichteten). Gutachter Johann Missliwetz: „Ich schließe einen Selbstmord mit ziemlicher Sicherheit aus.“ Der Tote habe keine Schmauchspuren an den Händen gehabt.

Für die fehlenden Schmauchspuren hatte aber ein LKA-Kriminaltechniker bei einem Lokalaugenschein drei Monate nach Auffinden der Leiche eine Erklärung parat: An der Hand des Toten hätten deshalb keine Schmauchspuren festgestellt werden können, weil er die Waffe an der linken Seite gehalten und mit dem Daumen abgedrückt habe. Das Auswurffenster der Pistole befand sich auf der anderen (rechten) Seite – deshalb keine Pulveranhaftungen an der Hand.

Ganz anders die Spezialisten im Bundeskriminalamt. Im Gutachten heißt es: „Es konnten keine Anhaltspunkte gefunden werden, dass Alois H. mit einer Schusswaffe hantiert oder sie abgefeuert hat.“ Die Haltung der Pistole – wie vom LKA-Kriminaltechniker beschrieben – könnte zwar zu einer „geringeren Beschmauchung der Schützenhand führen“, sei aber im konkreten Fall nicht nachvollziehbar.“

Waffe stammt von Arzt

Die Tatwaffe lag unter dem Wohnzimmertisch neben der Leiche. Erst drei Monate nach dem angeblichen Selbstmord erfuhren Kriminalbeamte zufällig, woher sie stammte, nämlich von jenem Arzt, der angeklagt war, seine Kinder jahrelang psychisch und physisch misshandelt zu haben. Wie sie zu Alois H. gelangt ist, konnte bis heute nicht geklärt werden. Auch der Arzt hat keine Erklärung dafür.

Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen zwar nicht eingestellt, aber abgebrochen. „Wenn wir das Gutachten haben, werden wir es prüfen und unser Ergebnis der Oberstaatsanwaltschaft vorlegen“, so Sprecher Hansjörg Bacher.

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