Teure MedizinSteirer kämpft um Cannabis für kleine Tochter

Nicht berauschendes Cannabidiol hilft krankem Mädchen (5), kostet im Jahr aber 9000 Euro. Vater fordert leichteren Zugang zu günstigem medizinischem Cannabis.

Richard Wild (51) ist entschlossen seiner Tochter die Cannabis-Präparate zu sichern.
Richard Wild (51) ist entschlossen seiner Tochter die Cannabis-Präparate zu sichern. © Bernd Hecke
 

Die kleine Emilia wird heuer sechs Jahre alt. Ihre Familie hat schon einen harten Weg hinter sich, erzählt ihr Vater Richard Wild (51): „Sie hatte im Mutterbauch einen Hirnschlag, seither funktioniert nur eine Gehirnhälfte. Da sie damit aber von klein auf alles gelernt hat, merkt man ihr das kaum an“, sagt der selbstständige TV-Produzent nicht ohne Stolz. Doch dann kam zur „Hemiparese“ auch noch Epilepsie dazu: „Ihr erster Anfall dauerte eine Stunde, sie hat ihn fast nicht überlebt“, erzählt der Weizer. Seither muss das Mädchen schwere Medikamente nehmen, die Wild nach ärztlichem Rat 2015 teilweise durch medizinisches Cannabis ersetzt hat.

Cannabis-Medizin kostet Familie 9000 Euro pro Jahr

Cannabidiol löst keinen Rausch aus, wirkt schmerzlindernd, beruhigend, entzündungshemmend, angstlösend. Die Behandlung ist in Emilias Fall ein Erfolg: „Sie war früher durch Epi-Medikamente wesensverändert, aggressiv, oft frustriert, wollte nicht spielen. Jetzt geht es ihr viel besser, sie ist fröhlich und hat kaum Absencen, also die Vorstufe zum Anfall, und vor allem keine Anfälle mehr.“ Doch die Behandlung ist teuer: „Ich habe im Jahr 9000 Euro für Cannabidiol und ein zweites Präparat mit vollem Auszug aus der Cannabisblüte bezahlt.“ Die Familie fährt nicht auf Urlaub, der Vater arbeitet in Extraschichten, um sich die Therapie leisten zu können. Denn die Krankenkasse übernimmt keine Kosten.

Kann ich mir die 9000 Euro für diese Medikamente nicht mehr leisten, drängt mich der Staat in die Illegalität, wenn ich dann für mein Kind selbst Hanf anbauen muss. 

Richard Wild, besorgter Vater

Diese Behandlung ist chefarztpflichtig, österreichweit übernehmen Kassen bei rund 30 Prozent der – vom Cannabis-Experten unter Österreichs Ärzten, Kurt Blaas, – auf 3000 geschätzten Cannabispatienten. In Deutschland gibt es Cannabisblüten seit heuer sogar auf Rezept in der Apotheke. In Österreich steht die Politik auf der Bremse, will die Blüte überhaupt nur noch staatlich sanktioniert verarbeitet wissen. Das würde das zweite von Wild eingesetzte Präparat, das als Nahrungsergänzungsmittel erhältlich ist, auch verteuern.

Initiative für straffreien Selbstanbau von Cannabis

Selbstverständlich bemüht sich Wild auch darum, die Freigabe durch den Chefarzt zu bekommen, damit die immensen Kosten die Familie nicht auf Dauer belasten. Er ist aber jedenfalls entschlossen diese Behandlung für seine Tochter sicherzustellen, auch wenn er sie sich einmal nicht mehr leisten könnte. „Dann drängt mich der Staat wie viele andere Patienten auch in die Illegalität“, verhehlt er nicht, dass er für seine Tochter auch den Selbstanbau riskieren würde. Mehrfach sind in Österreich schon Schmerzpatienten, die selbst Hanf angebaut haben, darunter etwa auch der Steirer David Kokas, zu (bedingten) Haftstrafen verurteilt worden.

Der besorgte Vater kämpft auch deshalb nun mit der Arge Canna und dem Hanfinstitut für die Straffreigabe des Selbstanbaus von Hanf für Patienten mit entsprechender Indikation und ärztlicher Empfehlung 10.000 Bürger haben die Initiative unterzeichnet, im Netz kann man das unter parlament.gv.at noch tun. Wilds offener Brief an Gesundheitsministerin Pamela Rendi-Wagner zieht auf Facebook weite Kreise und stößt auf großes Echo.

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Danke für Ihr Verständnis.

Lamax2
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Hausverstand beim Billa

Das sagte früher der Hausverstqnd, dass man wirksame Naturheilmittel verwendet, wo sie sinnvoll sind. Heute sind die Gehirne schon so vernebelt, dass man sehr leicht lenkbar ist durch Lobbies, Politiker und Obergescheite. Ich wünsche allen, die für die Verwendung von Hanf als offizielles Medikament kämpfen viel Erfolg und uns allen die Rückkehr zum Hausverstand.

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Acquario
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wir sind wirklich

im konservativstem Mittelalter....

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paulrandig
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Nicht Mittelalter

Das sind die Segnungen des Industriezeitalters und seines Lobbyings. Im Mittelalter war Hanf eine Faser-, Heil- und Ölpflanze. Erst die aufkeimende amerikanische Baumwollindustrie hat diese Verteufelung des Konkurrenten kreiert.

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