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Zuletzt aktualisiert: 22.07.2012 um 19:55 UhrKommentare

Hochwasser und Muren verwüsteten Teile der Steiermark

Nach den verheerenden Unwettern in der Obersteiermark entspannt sich die Lage allmählich. Rund 1.200 Feuerwehrleute waren am Samstag in der Steiermark im Einsatz. Am Sonntag machte sich eine 160-köpfige Pionierkompanie aus Melk auf den Weg in die Obersteiermark.

Aufräumarbeiten in St. Lorenzen im Paltental

Foto © APA/LFV/THOMAS MEIER Aufräumarbeiten in St. Lorenzen im Paltental

Schwere Unwetter, Muren und Hochwasser haben am Wochenende ganze Regionen in der Steiermark verwüstet. St. Lorenzen im Paltental wurde von einer meterhohen Schlammlawine erfasst, 250 Menschen mussten in der Region ihre Häuser teilweise per Luftbrücke verlassen. Das Bundesheer rückte zur Unterstützung an. In Thörl (Bezirk Bruck/Mur) starb ein 47-jähriger Fußgänger unter einer Mure. Bei Graz trat die Mur an mehreren Stelle über die Ufer. Die Murecker Schiffsmühle versank zum vierten Mal.

Die Unwetter brachen Freitagnachmittag über die Bezirke Liezen, Murau, Murtal, Leoben, Bruck, Mürzzuschlag und Graz-Umgebung herein. Gegen 21.00 Uhr war der 47-Jährige aus Thörl in seinem Heimatort zu Fuß unterwegs und wurde vor den Augen eines Steweag-Steg-Mitarbeiters von einer Mure erfasst. Er konnte Samstagvormittag nur noch tot geborgen werden.

20 Personen von der Außenwelt abgetrennt

Samstag gegen 5.00 Uhr wurden die Bewohner der Triebener Katastralgemeinde St. Lorenzen (Bezirk Liezen) durch ein Grollen aus dem Schlaf gerissen. Eine meterhohe Mure bahnte sich ihren Weg durch den Ortskern und riss Autos, Garagen und Brücken mit sich. Rund 20 Personen waren von der Außenwelt abgetrennt und mussten mit Hubschraubern ausgeflogen werden. Ein Mann zog sich schwere Verletzungen zu und konnte in der Schaufel eines Traktors zur Rettung gebracht werden. In der Gemeinde wurde Katastrophenalarm wurde ausgerufen - ebenso in Thörl, Etmißl, Pusterwald, Kleinsölk und Tragöß.

Rund 1.200 Feuerwehrleute waren Samstag in der Steiermark im Einsatz und mussten sich mühsam Wege zu abgeschnittenen Orten bahnen. Strom- und Trinkwasserversorgung waren teilweise unterbrochen. Die Bewohner von St. Lorenzen und dem Nachbarort Schwarzenbach mussten auf behördliche Anweisung wegen Gefahr im Verzug ihre Häuser verlassen und wurden im Freizeitheim Trieben untergebracht. Wann sie zurück können, war vorerst unklar. Die Mure in St. Lorenzen hatte 60 bis 70 Gebäude erfasst - mehrere davon sind total beschädigt oder gar zerstört. Umweltminister Nikolaus Berlakovich (V) hat am Samstag 1,5 Millionen Euro Soforthilfe aus Bundesmitteln zugesichert.

160-köpfige Pionierkompanie aus Melk zur Unterstützung

Rund 180 Soldaten des Österreichischen Bundesheeres rückten noch am Samstag an, um die Einsatzkräfte bei den Aufräum- und Instandsetzungsarbeiten zu unterstützen. Am Sonntag machte sich eine 160-köpfige Pionierkompanie aus Melk auf den Weg in die Obersteiermark. Der Schwerlasttransport mit 40 Fahrzeugen und einer Kolonnenlänge von 1,5 Kilometern wird von einer Militärstreife begleitet.

Wassermassen, die sich in der Obersteiermark in den Flussläufen sammelten, lösten noch Samstagabend Alarm in Graz und Umgebung aus. Der Murpegel stieg auf mehr als sechs Meter an, das befürchtete 30-jährige Hochwasser blieb aus. Die Grazer Murinsel, Promenade, Brücken und Übergänge mussten gesperrt aber werden. In Deutschfeistritz, nördlich der Landeshauptstadt, sowie in südlich gelegenen Wildon trat die Mur an mehreren Stellen über die Ufer und überschwemmte mehrere Häuser. Ein junger Feuerwehrmann wurde leicht verletzt.

Erfolglose Suche nach lebloser Person

In St. Lorenzen bei Knittelfeld suchten die Einsatzkräfte Samstagabend noch nach einer leblosen Person, die laut einem Passanten in der Mur getrieben war. Die Suche wurde jedoch ergebnislos abgebrochen. Eine aktuelle Vermisstenanzeige lag nicht vor, es könnte sich daher um Fehlalarm oder einen seit einer Woche vermissten 30-jährigen Obersteirer gehandelt haben.

Murecker Schiffsmühle gesunken

Sonntagvormittag stabilisierte sich die Lage langsam, die Pegel stiegen nicht weiter an. Ein Opfer von Treibgut in den Hochwasser-Fluten der Mur war die Murecker Schiffsmühle in der Südsteiermark. Sie schlug Leck und sank binnen weniger Minuten. Seit 2002 ist die Touristenattraktion nun zum vierten Mal untergegangen. Die Brucker Schnellstraße (S35) war von Samstagnachmittag bis Sonntag früh wegen der hochwasserführenden Mur ab Mixnitz in Fahrtrichtung Norden gesperrt. Das Wasser hatte die Fahrbahn überschwemmt.

Im Bezirk Murtal erwischte es besonders die Gemeinde Kobenz, wo umstürzende Bäume eine Stromleitung durchtrennten und auf ein Mehrparteien- und ein Einfamilienhaus krachten. Mehr als 200 umgefallene Bäume verlegten die Straßen. Im Bezirk Murau kämpften rund 140 Feuerwehrleute gegen die Wassermassen des Wölzerbaches, der über die Ufer getreten war. Im Bezirk Mürzzuschlag war das Gebiet rund um Kindberg am stärksten betroffen: In Wartberg war die Ortsdurchfahrt überflutet und in Kindberg gingen mehrere Muren ab.

Wie schon Anfang Juli im Packabschnitt der Südautobahn (A2) musste Freitagabend wieder der Schneepflug der Asfinag ausfahren. Die Pyhrnautobahn (A9) war im Bereich zwischen Gleinalmtunnel und Friesach nördlich von Graz gesperrt, da eine mehrere Zentimeter dicke Hagelschicht auf der Fahrbahn lag.


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