RHI: Bieter-Rennen um Verkauf an Russen
Spekulationen, dass der Feuerfestkonzern an Russen gehen könnte. Für Zündstoff sorgen Investor Martin Schlaff und die Kärntner AvW.

Foto © StöflinDie Radex (RHI) in Radenthein vom Millstätter See Ostufer aus gesehen
Hinter den ganz großen Wirtschaftskulissen rumort es gewaltig. Es geht um den Milliardendeal der Übernahme von RHI, die derzeit als heißestes Eisen an der Wiener Börse gehandelt wird. Großinvestor Martin Schlaff kaufte über seine Stiftung in den letzten Jahren massig Wandelschuldanleihen der RHI, die nun zu Aktien werden - insgesamt 29,2 Prozent.
Kurs sinkt. Aktuell wird die RHI mit rund 950 Millionen Euro bewertet. Seit Monaten sinkt ihr Kurs, vom Höchststand mit 42 Euro je Aktie im letzten Frühsommer ist der Feuerfest-Riese weit entfernt. Keine Frage: Martin Schlaff will den ganzen Konzern. Eigentlich müsste er erst ab 30 Prozent ein verpflichtendes Übernahmeangebot legen, beim momentanen Wert könnte er allerdings freiwillig eines stellen.
Stahlbaron. Dass Schlaff selbst zum Feuerfest-Konzernboss werden will, gilt als ausgeschlossen. Hinter ihm wird der Oligarch Alexei Mordaschow vermutet. Anstatt selbst den Kurs in die Höhe zu treiben - jedes Gerücht verteuert das Geschäft um viele Millionen Euro - soll der russische Stahlbaron (kolportiertes Vermögen: zehn Milliarden Euro) Schlaff die Arbeit machen lassen.
Entscheidung. Es gibt aber noch eine Ausnahme von der 30-Prozent-Regel: Nämlich dann, wenn nachweisbar ist, dass mit einem zweiten gemeinsam Anteile gekauft werden. Die Übernahmekommission untersucht im Moment genau das. Nächste Woche gibt es dazu noch eine Verhandlung, vor dem 23. Jänner ist nicht mit einer Entscheidung zu rechnen.
AvW kauft weiter zu. Diese Gerüchte trieben gestern früh den Handel mit RHI so sehr, dass der Kurs bei hohem Volumen auf fast 28 Euro kletterte. Als gestern vormittags die Computer der Börse zusammenbrachen, überschlugen sich erneut die Gerüchte in Bankenkreisen, doch der weitere Anstieg blieb aus.
"Langfristiges Engagement". Nach Martin Schlaff ist die deutsche Winterstein-Gruppe zweitgrößter Aktionär, könnte aber schon bald von der Kärntner AvW Invest überholt werden. Das in Krumpendorf ansässige Beteiligungsunternehmen plant seinen Anteil von sechs auf neun Prozent aufzustocken. Obwohl man von einem "langfristigen Engagement" spricht, will man einen Verkauf bei einem guten Angebot nicht ausschließen.
Features
Weltmarktführer
Bis 1998 unter Radex Heraklith bekannt. Weltweite Gruppe für Feuerfest-Produkte (Hochofen-Auskleidungen etc.). Hier ist man sogar Weltmarktführer.
Drei Fragen an...
Mitarbeiter und Standorte
Mitarbeiter: 6600 im Jahr 2006 nach 8564 im Jahr davor
Umsatz: rund 1,3 Milliarden Euro
Gewinn 2006: 110,4 Millionen
An 27 Standorten auf vier Kontinenten wird produziert,
unter anderem im Oberkärntner Radenthein.








