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Zuletzt aktualisiert: 02.07.2012 um 20:16 UhrKommentare

Der Letzte will er nicht sein

Der Turnauer Bürgermeister Roland Schadl (ÖVP) ist seit zwei Monaten im Amt. Wie hat er sich eingelebt? Und was hält er von den Plänen des Landes für die Gemeindezusammenlegungen?

H err Bürgermeister, Sie sind nun seit zwei Monaten im Amt. Wie haben Sie sich eingewöhnt?

ROLAND SCHADL: Gut. Ich habe meine Arbeit als Polizist auf Teilzeit reduziert, um genügend Zeit für die Bürger zu haben. Sonst kann man das Amt nicht ausüben.

War die Umstellung schwierig?

SCHADL: Nein, ich bin seit 2007 im Gemeinderat und seit 2008 als Gemeindekassier auch im Vorstand. Ich war also bei vielen Weichenstellungen schon dabei.

Sie sind als Bürgermeister der zweite Teil einer Teilzeitlösung. Die ersten beiden Jahre war Alexander Maier von der FPÖ Bürgermeister, Sie übernehmen für weitere drei Jahre. Was hat Ihnen Ihr Vorgänger hinterlassen?

SCHADL: Er hat die Gemeinde mit Weitblick geführt und wichtige Projekte auf Schiene gebracht. Und dass die Finanzen in Ordnung sind, darauf habe auch ich als Kassier geschaut.

Ihr Vorgänger hatte als Brigadier des Bundesheeres den Ruf einer gewissen Strenge. Was sind Sie für ein Typ?

SCHADL: Ich sehe mich als geselligen Menschen, lege viel Wert auf Bürgernähe, auf Kontakt zu allen Vereinen und Körperschaften und bin selber seit 25 Jahren bei der Feuerwehr. Ich bin für partnerschaftliches und zielorientiertes Arbeiten und hoffe, dass das gute Klima im Gemeinderat weiterhin erhalten bleibt.

Welche größeren Vorhaben stehen in Turnau an?

SCHADL: Da ist vor allem einmal die Erneuerung der Trinkwasserversorgung im Zuge des Straßenbaus. Darüber hinaus haben wir auch all die Dinge zu erledigen, die auf eine Gemeinde zukommen: Straßennetz, Kanalisation, Ortsbildpflege und Vieles mehr.

Und touristisch?

SCHADL: Im Sommer setzen wir mit dem Regionalverband verstärkt auf die Sommerfrische, und im Winter ist die Schwabenbergarena ein beliebter Anziehungspunkt. Zwei Gemeinderäte halten den Kontakt zu den Tourismusorganisationen, damit wir stets über alles informiert sind und Akzente setzen können.

Geht es nach dem Willen des Landes, könnten Sie der letzte Bürgermeister von Turnau sein. Wie sehen Sie die Gespräche zur Gemeindestrukturreform?

SCHADL: Wir haben im Gemeinderat einstimmig beschlossen, dass wir eigenständig bleiben wollen. Wir machen mit den Nachbarn viel gemeinsam und könnten das auch noch ausbauen.

Glauben Sie, dass sich das Land damit zufriedengibt? Schließlich denkt man in Graz an einen Zusammenschluss von Turnau mit Aflenz-Kurort und Aflenz-Land.

SCHADL: Es spricht viel für unsere Eigenständigkeit, und im Punktekatalog des Landes erreichen wir fast das Punktemaximum, wir sind als Gemeinde also auch weiterhin durchaus lebensfähig.

Was sagen Sie zur Idee des Thörler Landeshauptmannstellvertreters Siegfried Schrittwieser, alle 17 Gemeinden des Bezirks Bruck bis zum Seeberg zu einer Gemeinde zusammenzulegen?

SCHADL: Es mag löblich sein, dass er in so großen Dimensionen denkt, aber für uns ist das absolut kein Thema.

Nun wird aber vermutet, dass Bürgermeister und Funktionäre viel stärker an der Eigenständigkeit hängen als die Bevölkerung.

SCHADL: Also, was mich betrifft: Ich bin nicht auf die Politik angewiesen und kann jederzeit wieder zu einer vollen Dienstverpflichtung zurückkehren. Mir geht es um Turnau. Ich fürchte, dass wir in einer Großgemeinde an den Rand gedrängt würden.

Haben die Diskussionen um Gemeindezusammenlegungen Auswirkungen auf Ihre Arbeit in der Gemeinde?

SCHADL: Ja, sie wirken lähmend auf Projekte und vor allem auf Finanzierungen, weil man abwarten muss. Deshalb wäre es gut, bald zu wissen, wohin die Reise geht. INTERVIEW: FRANZ POTOTSCHNIG


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