Rettungstunnel für die Südbahn
Am kommenden Mittwoch geben ÖBB und Politik den offiziellen Startschuss für den Semmeringbasistunnel. Erwin Pröll, der härteste Gegner des Altprojekts, feiert mit.

Foto © APDie zukünftige Baustelle für den Semmeringbasistunnel
Sein Name sticht auf der Einladung für den Spatenstich des Semmeringbasistunnels hervor: Erwin Pröll. Der niederösterreichische Landeshauptmann hatte das alte, 22 Kilometer lange Projekt im Alleingang verhindert, am kommenden Mittwoch wird er beim offiziellen Festakt in Gloggnitz für die 27,3 Kilometer lange Variante freundlichere Worte finden. So ändern sich die Zeiten.
Über mehr als drei Jahrzehnte erstreckt sich die Vorgeschichte. Politisch war der Bahntunnel zwischen Niederösterreich und der Steiermark totgesagt, doch Totgesagte leben länger. Nun soll die Semmeringstrecke aus dem Jahr 1854 (Weltkulturerbe seit 1998) entlastet, der Personen- und der Güterverkehr sollen beschleunigt werden. Bis es so weit ist, vergehen aber noch mindestens zwölf Jahre Bauzeit.
Für die ÖBB ist der Ausbau der Südbahn zur Überlebensfrage derselben geworden. "Ohne den Ausbau würde die Strecke zur Nebenbahn verkommen", sagt ÖBB-Ökonom Hans Wehr.
Es gibt noch Widerstandsnester. Die Wiener "Alliance for Nature" (AFN) bekämpft die Baubescheide auf rechtlicher Ebene. Wehr: "Da gibt es noch das eine oder andere, das anfechtbar ist, und ich hoffe, dass ich in einem Jahr ruhiger schlafen werde." Gerhard Gobiet ist ÖBB-Projektleiter für den gesamten Tunnelbau und versichert hingegen: "Wir stehen auf einem sehr breiten Konsens."
Gobiet und sein Team befinden sich in einer Mammutaufgabe. Geologisch betrachtet ist der Semmering ein schwieriges Gebiet - vorsichtig ausgedrückt. Daraus ergibt sich der kurvige Verlauf (siehe Grafik), die Trasse weicht besonders wasserführenden Schichten aus.
Heuer und im nächsten Jahr geht es primär um Vorarbeiten, die mit 30 Millionen Euro veranschlagt sind. Die Gesamtinvestition beträgt 3,1 Milliarden.
Ab 2014 wird es für die Tunnelbauer im steirischen Fröschnitzgraben ernst. Die zwei eingleisigen Röhren werden nicht nur von Gloggnitz und Mürzzuschlag aus errichtet, sondern auch von drei "Zwischenangriffen" aus, wie es im Fachjargon heißt. Im Fröschnitzgraben werden zwei 400 Meter tiefe Schächte gebohrt, an deren Sohle aus einer Kaverne heraus die Tunnel gegraben werden. Der Vortrieb erfolgt einerseits konventionell, also mittels Sprengungen, andererseits durch riesige Tunnelbohrmaschinen.
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Bild vergrößernWolfgang Schuessel, Hubert Gorbach und Waltraud Klasnic während einer Pressekonferenz zum Semmeringbasistunnel im März 2005Foto © Reuters







