Semmering-Züge sind drastisch im Rückgang
Der Regionalverkehr der ÖBB über den Semmering soll stark ausgedünnt werden. In Mürzzuschlag wundern sich manche, dass die Politik dieses Thema bisher noch nicht aufgegriffen hat.

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Der Kahlschlag, der im neuen Fahrplan der ÖBB auf der Semmeringstrecke geplant ist, ist beachtlich: Von den 16 derzeitigen Zugpaaren, die täglich von Mürzzuschlag bis Payerbach fahren, sollen ab 11. Dezember nur sechs übrig bleiben. Und nicht einmal das zur Gänze: Die Züge sollen nur noch von Payerbach bis zum Bahnhof Semmering verkehren, auf steirischer Seite fahren zwischen Mürzzuschlag und der Passhöhe Busse.
Hans Reisinger ist Initiator des steirischen Bahnwanderweges und im Vorstand des Vereins "Freunde der Südbahn". Ihn ärgert an dieser Ausdünnung des Fahrplans eine ganze Menge: "Das ist nicht nur ein großer Nachteil für alle Pendler, sondern auch für die Gäste der Region. Man muss sich nur vorstellen: Besucher aus Niederösterreich, die nach Mürzzuschlag wollen, müssen vom Bahnhof Semmering zu Fuß auf die Passhöhe und dort in den Bus einsteigen. Das macht doch niemand!"
Reisinger sieht hier eine eklatante Schwächung einer steirischen Randlage. Die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln werde dadurch so kompliziert, dass vermutlich viele Besucher überhaupt darauf verzichten werden, fürchtet er. Außerdem würden Pendler benachteiligt.
Weltkulturerbe
Robert Lotter ist Geschäftsführer der Kunsthaus Mürzzuschlag GmbH. Er sieht in der geplanten Ausdünnung nicht nur eine Schwächung der Region, sondern auch der Semmeringbahn: "Die Gebirgsbahn muss auch nach dem Bau des Tunnels befahren werden. Da kann man doch jetzt nicht den Regionalverkehr so zurückfahren. Schließlich haben die ÖBB für das Weltkulturerbe eine Verantwortung."
Darüber hinaus ist diese Maßnahme für Lotter eine weitere Schwächung der Peripherie: "Weniger Angebot bringt weniger Fahrgäste, führen zu noch weniger Angebot und die Spirale nach unten setzt sich fort."
Sowohl Reisinger als auch Lotter wundern sich, dass der Aufschrei der Politik fehlt: "Auf niederösterreichischer Seite gibt es vehemente Proteste der Bürgermeister und Abgeordneten. Von steirischer Seite haben wir noch nichts gehört", sagt Lotter. Ein Erfolg wäre es schon, wenn die sechs Zugpaare durchgehend verkehren würden und man die holprige Verbindung von Bahn und Bus auf der Passhöhe vermeiden würde.
Kurioses Detail am Rande: Eine Zuggarnitur soll täglich aus Platzmangel vom Bahnhof Semmering nach Mürzzuschlag überstellt werden. Aber der Zug nimmt keine Fahrgäste mit, weil diese Leistung nicht bestellt ist.








