Emotionen vor dem Nachspiel in Leoben
Aussage gegen Aussage in der "Causa Nelson".
BASKETBALL. Kapfenberg-Spieler Demetrius Nelson muss nach dem Vorfall mit Oberwarts Hannes Artner am 13. April in Leoben vor Gericht. Ihm wird Körperverletzung vorgeworfen, sogar eine Haftstrafe droht.
"Wir unterstützen Demetrius mit unserem Anwalt und unseren Aussagen", sagt Bulls-Boss Karl Thaller. "Er ist ein lammfrommer Typ und hatte sicher keine Verletzungsabsicht. Dass er sich wehrt, wenn ihm Artner die Gesichtsmaske herunter reißen will, ist ja logisch." Einen gezielten Faustschlag des bulligen Amerikaners (203 cm, 115 kg) kann sich Thaller nicht vorstellen. "Wenn er bewusst zuschlägt, liegt der Gegner flach."
So hatte man aber erst am nächsten Tag erfahren, dass Artner im Spital war. "Seine Verletzung ist ein bedauerliches Malheur. Aber Gott sei Dank ist es nicht so gravierend, er steht ja schon wieder bei der Polizei im Dienst."
Das sehen die Oberwarter anders: "Ein Kehlkopfbruch kann eine lebensbedrohliche Situation sein", sagt Manager Andreas Leitner. "Das ist keine Bagatellverletzung. Er musste auf der Uniklinik operiert werden und hat eine Platte im Hals. Wir stehen zu 100 Prozent hinter Artner."
Der Zeugenaufruf
Wie die Schiedsrichter hat auch Leitner die Szene nicht gesehen, die Aktion davor schon: "Der Tumult ist von Nelson ausgegangen. Artner wollte nur schlichten und bekam den Schlag." Oberwart führt Fans als Zeugen an, weshalb jetzt Kapfenberg mittels Aufruf auf der Homepage, auf T-Shirts und Plakaten ebenfalls Zeugen sucht.
Diesen "Propaganda-Feldzug der Kapfenberger" will Leitner genauso wenig kommentieren wie das Video, das "eigenartigerweise genau vor dem Vorfall stoppt." Laut Oberwart-Anwalt Wolfgang Steflitsch wird wegen Urkundenfälschung ermittelt. Kapfenberg habe das Video aber nachweislich bereits vier Minuten nach Spielende abgeschickt - ohne Wissen um die Artner-Verletzung und ohne Möglichkeit, das Video zu manipulieren.
Die Stimmung
Das Klima zwischen den Klubs ist jetzt gestört. Leitner: "Kapfenberg und Oberwart verbindet eine jahrelange Freundschaft. Aber wenn man so unprofessionell agiert, darf man sich nicht wundern, wenn das Verhältnis gestört ist." Kapfenberg habe es "nicht der Mühe Wert gefunden", Artner zu kontaktieren.
Thaller hofft auf ein faires Gericht ("schwarzer Amerikaner gegen Polizeischüler. . . ") und auf die Ehrlichkeit aller: "Dass vor Gericht die Wahrheitspflicht gilt, ist hoffentlich auch im Burgenland bekannt." CHRISTOPH HEIGL









