Deponie im Wald: Angst vor Muren
Im Longsgraben in Steinhaus am Semmering soll die Deponie für das Aushubmaterial des Semmeringbasistunnels errichtet werden. Ein Anrainer hat im UVP-Verfahren Einspruch erhoben.
Man glaubt es kaum. Der schmale, morastige, teilweise sehr steile Weg mitten durch den Wald soll die Zufahrtsstraße zu einer Deponie werden. Wird der Semmeringbasistunnel gebaut, so wird man das Aushubmaterial im Longsgraben deponieren, das Areal gehört zum Gemeindegebiet Steinhaus. Friedrich Deimler ist Anrainer und wehrt sich gegen die Deponiepläne. "Acht Meter breit werden sie die Straße hier schon bauen müssen, damit sich das mit den Lkw-Fuhren ausgeht", sagt er auf dem Weg durch den Wald.
Die Deponie, die in dem Waldgebiet entstehen soll, wird 960 Meter Länge haben und zwischen 250 und 300 Meter breit sein, die Schütthöhe des Materials wird 50 bis 60 Meter betragen. "20 Hektar Wald werden dafür gerodet", sagt Deimler. Er hat sich sämtliche Fakten aus den Projektunterlagen herausgeschrieben, die jeder Bürger auf der Bezirkshauptmannschaft Mürzzuschlag und auf den Gemeinden einsehen konnte.
"Es kommen vier Millionen Kubikmeter Deponierung von Aushubmaterial in den Longsgraben", sagt Deimler. Er war 35 Jahre lang im Forstrevier im Longsgraben tätig. "Ich bin über die Bodenbeschaffenheit und den Wasserhaushalt bestens informiert", schrieb er in seinem Einwand an das Verkehrsministerium. Deimler befürchtet, wegen des durchnässten, schotterigen Untergrunds und der Steilheit des Geländes zum Talschluss hin Deponiemuren, die den Fröschnitzbach aufstauen und Verwüstungen im Tal verursachen könnten. "Eine besondere Gefahr sehe ich zu Beginn der Deponieerrichtung. Die Wassermengen, die der Longsgraben immer gebremst und stark zeitverzögert an den Longsgrabenbach abgegeben hat, erreichen ihn nun ungehemmt in voller Menge."
Starke Steigung
Und auch die Zufahrt zur Deponie kann sich Deimler nur schwer vorstellen. "Es ist für mich schwer vorstellbar, wie ein 30-Tonnen-Gefährt im Winter bei Schneefall die 20 Prozent Steigung überwinden soll." Außerdem argumentiert Deimler mit der hohen Anzahl der Fuhren. Laut Unterlagen des UVP-Verfahrens wird mit 200 bis 500 Lkw-Fuhren pro Tag gerechnet. Die Deponie wird an sieben Tagen in der Woche befüllt, täglich von sechs bis 19 Uhr.
Seitens der Projektleitung für den Semmeringbasistunnel hält man sich noch bedeckt. Zurzeit werden die Beantwortungen der Einwände erstellt. Erst Mitte Jänner werden die Einwände in einer öffentlichen Verhandlung beantwortet. Zur Deponie sagt man: "Wir brauchen diese Deponie, sie war technisch die beste Lösung."








