Auf den Spuren des Roten Bullen
Dort, wo alles begann: Im beschaulichen St. Marein erinnern sich nur wenige an Dietrich Mateschitz. Keine Spur von Formel 1 und Glitzerwelt. Gute Freunde schweigen.

Foto © GEPADie Pfade in die alte Heimat verblassen langsam: Dietrich Mateschitz
In St. Marein im Mürztal, direkt vor dem Elternhaus von Dietrich Mateschitz. Zwei ältere Damen spazieren heran. Ob sie den Herrn Mateschitz kennen? "Den Namen haben wir noch nie gehört. Wissen S', wir sind nicht von da, wir sind aus Kapfenberg." So klein ist die große Welt.
Nur einen Dosenwurf entfernt klappt Rupert Wrobel die Gemeindechronik auf, anlässlich der 900-Jahr-Feier vor sechs Jahren angelegt. Der Bürgermeister zeigt einen kurzen Eintrag über den prominentesten Gemeindebürger, den sich dieser zur Kontrolle vorab sogar schicken hat lassen. Zur Feier kam er nicht. Der Bürgermeister hat keinen Kontakt zum Milliardär, es wird auch keine Ehrenbürgerschaft geben. "So etwas bedeutet ihm wohl nichts", denkt Wrobel laut. Das Telefon auf seinem Schreibtisch läutet öfter als sonst. "Das ist der Höhepunkt des Medieninteresses." Viele Anrufe kommen aus Deutschland, Auskunft gibt man nicht.
Beim Mateschitz-Haus ist mittlerweile die Biomülltonne wie von Geisterhand vom Gehsteig zurück auf das Grundstück gewandert. Das schmucke Einfamilienhaus steht leer, seit Mateschitz seine betagte Mutter Auguste (94) vor ein paar Jahren zu sich geholt hatte, angeblich auf das Gut Hochreit in Maria Alm (Salzburg). Auf das Haus in St. Marein schaut ein Bekannter. Wer, weiß niemand.
Sonnenfinsternis
Überhaupt scheint es hier wenige zu geben, die Mateschitz noch kennen. Sein Privatleben ist tabu. Interviews sind selten wie eine Sonnenfinsternis, schreibt der "Kurier"' und verweist auf das einzig Bekannte aus seiner Kindheit: "1944 geboren, aufgewachsen in St. Marein." Ungewöhnlich für eine Welt, in der man mit drei Klicks im Internet alles findet. Gute Freunde plaudern nichts aus. Wegen echter Freundschaft und tiefer Loyalität. Und weil sie wissen, dass Mateschitz das überhaupt nicht mag.
Man muss vielen Spuren folgen, um etwas zu erfahren. Etwa, dass er 1950 auf der anderen Straßenseite und nur ein paar Meter entfernt in die Volksschule kam, wo seine Mutter bis 1978 Lehrerin war - eine recht strenge, hört man. Das liebste Hobby des jungen "Didi" war das Basteln von kleinen Schiffen und Modellfliegern. "Er war recht geschickt", erinnert sich Jugendfreund Dietmar Steinkellner an einen "ganz normalen Buam und einen Mordsspaß". Mateschitz maturierte 1963 in der 8 c des BRG Bruck, dann zog er weg und ging zum Studium nach Wien. Steinkellner verlor den Kontakt. "Ich habe ihn nie wieder gesehen und erst vor ein paar Jahren aus den Medien erfahren, was aus ihm geworden ist", sagt der 67-Jährige. "Dabei bin ich so neugierig, ob er mich noch erkennen würde." Ein paar Mal war Steinkellner im Hangar 7 in Salzburg. "Aber das wäre Zufall gewesen." Ob ihm Mateschitz erzählt hätte, wie er nach Stationen bei "Jacobs" und "Blendax" ab 1984 sein Dosen-Imperium aufgebaut hat? Und ob er als 49-Prozent-Eigentümer tatsächlich drei Milliarden Euro hat und der zweitreichste Österreicher ist? Eher nicht.
Mateschitz, Hobbypilot, Eheverweigerer und Vater eines 17-jährigen Sohnes, ist 66 Jahre alt. Man ertappt sich beim bösen Gedanken, was aus ihm in St. Marein geworden wäre, wenn er nie aus der 2500-Seelen-Gemeinde hinausgekommen wäre. "Pensionistentreff jeden Dienstag um 14 Uhr", steht auf dem Anschlagbrett neben dem verlassenen Gasthaus Zaunschirm.
In Aktion
"Der Mateschitz kommt aus St. Marein?", staunen zwei Jugendliche. "Des homma net g'wusst." Ihr Lieblingsgetränk ist Red Bull. Rein zum Billa, vorne an der Hauptstraße. Nein, lächelt die Filialleiterin, hier wird nicht mehr Red Bull gekauft als anderswo. Das Sechser-Tragerl ist in Aktion und ein paar Cent billiger. Weil Red Bull jetzt Formel 1-Weltmeister ist? Die Dame an der Kassa lächelt milde. "Eher nicht."
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In St. Marein wissen nur wenige, dass der Red-Bull-Chef hier seine Wurzeln hat. 3,9 Milliarden der blauen Dosen wurden im Vorjahr in 160 Ländern verkauft Grafik © Heigl








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