St. Mareiner "Geiselnehmer" läuft in Haft Amok
Der vermeintliche "Geiselnehmer" von St. Marein/Mürztal attackierte in Wiener Justizanstalt Josefstadt eine Ärztin und stach auf einen Beamten ein.
Der Obersteirer Johann Sch. (55) sollte am Freitag in der Justizanstalt Wien-Josefstadt von einer Psychiaterin routinemäßig untersucht werden. Dabei hat er angeblich versucht, die Anstaltsärztin als Geisel zu nehmen. Als dies scheiterte, verletzte er einen Justizwachebeamten mit einem zurechtgeschliffenen Messer. Der Beamte erlitt einen Bauchstich, ist aber nicht in Lebensgefahr.
Johann Sch. hatte im Vorjahr mehrmals für Schlagzeilen gesorgt. Seit Jahren führt er einen aussichtslosen Kampf gegen Österreichs Justiz: Sch. fühlt sich zu Unrecht verurteilt und verlangt Ermittlungen gegen "korrupte" Staatsanwälte und Richter.
Im Februar 2009 versuchte er auf spektakuläre Weise auf sein Problem aufmerksam zu machen. Er habe eine deutsche Urlauberin als Geisel, kündigte er an und sorgte für einen Großeinsatz der Exekutive. Das Einsatzkommando Cobra überwältigte ihn. Geisel hatte Sch. dann keine, er wurde in die Grazer Siegmund-Freud-Klinik eingeliefert - und konnte flüchten. Neun Wochen lebte er in einem Wald bei Frohnleiten, dann wurde er entdeckt und festgenommen.
Vor einem Leobener Schwurgericht hielt Sch. seine Anschuldigungen gegen die Justiz weiter aufrecht. Während des Prozesses attackierte der Angeklagte auch den Grazer Gerichtspsychiater Manfred Walzl, weil ihn dieser "als gefährlich" bezeichnet und für eine Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher plädiert hatte. Was auch der Staatsanwalt gefordert hat.
Das Urteil der Geschworenen: Einweisung. Sch. meldete Nichtigkeitsbeschwerde an und wurde - weil das Urteil daher noch nicht rechtskräftig ist - als Untersuchungshäftling in die Justizanstalt Josefstadt überstellt.
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Chronologie der Ereignisse
19. Februar 2009: Großeinsatz der Cobra im obersteirischen St. Marein im Mürztal. Johann Sch. (55) hält die Spezialtruppe mehr als 20 Stunden in Schach, indem er vorgibt, eine Geisel in seiner Gewalt zu haben. Alles gelogen. Er wird in die Grazer Sigmund-Freud-Klinik eingewiesen.
1. Juni 2009: Der falsche Geiselnehmer kann über die Dachrinne des LSV flüchten. Trotz einer bundesweiten Fahndung kann er untertauchen.
17. August 2009: Einem Landwirt aus Frohnleiten fällt der Mann auf. Sch. Hat 11 Wochen in einem Waldloch gelebt, sich nur von Beeren ernährt. Die Polizei sperrt ihn wieder ein.
8. Oktober 2009: Nach seinem zweitägigen Prozess ist klar, er ist kein Krimineller, sondern ein Fall für die Psychiatrie.
19. Februar 2010: Genau ein Jahr nach seiner "Geiselnahme" läuft er in der Psychiatrie der Justizanstalt Josefstadt Amok.








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