Japanischer Blick auf steirische Bäuerinnen
Japanische Forscherinnen zu Gast im Mürztal.
LEOBEN/MÜRZTAL. Ungewöhnliche Gäste konnte Eva Maria Lipp kürzlich in der Bauernkammer Leoben begrüßen: zwei Forscherinnen aus Japan, die sich mit Berufsbiografien von landwirtschaftlichen Betriebsleiterinnen mit Meisterausbildung beschäftigen. "Als Prüfungskommissionsvorsitzende der Meisterinnenausbildung für das ländliche Betriebs- und Haushaltsmanagement wurde ich als Interviewpartnerin ausgewählt", erklärt Lipp.
Yukiko Otomo von der Jumonji Universität und Hitomi Nakamichi von der Ehime Universität stellen vergleichende Forschungen in deutschsprachigen Regionen an.
Wie Otomo erklärt, gebe es in Japan kein System für die Meisterinnenausbildung in der Landwirtschaft, und Betriebsleiterinnen auf Bauernhöfen seien sehr selten: "Bei uns leiten Männer die Betriebe." Im Gespräch wurde deutlich, dass die Probleme in der Landwirtschaft Japans ähnlich gelagert sind wie in Österreich. Vor allem die Überalterung auf den Höfen ist in beiden Ländern ein Problem.
Die Hauptarbeit werde meist von den auf den Höfen lebenden Eltern und den Schwiegertöchtern geleistet, weil die Männer auswärts arbeiten und nur an den Wochenenden mit anpacken können. Es sei für die Bauernsöhne auch in Japan nicht einfach, eine Bäuerin zu finden, weil die Arbeit hart und der Verdienst niedrig sei. Deshalb will die Regierung nun junge Frauen motivieren, am Land zu arbeiten.
Die beiden Forscherinnen besuchen auch Höfe in Mürzzuschlag, St. Ilgen, Kraubath und Gai, auf denen Bäuerinnen mit Meisterinnenausbildung arbeiten und die Urlaub am Bauernhof oder Direktvermarktung betreiben.
"Für mich ist es eine besondere Freude, dass die beiden Forscherinnen zu mir gekommen sind. Es ist interessant, wie in anderen Ländern in der Landwirtschaft gearbeitet wird. Und es freut mich auch, dass sich die japanischen Gäste für unsere Landwirtschaft interessieren", so Lipp.
Es scheint aber, dass in Österreich die Frauen in der Landwirtschaft im Vergleich zu japanischen Bäuerinnen schon einen Schritt weiter sind, meint Lipp. ANDREA WALENTA








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