Werden Bruck und Kapfenberg eine Stadt?
Am Montag steht wieder eine Gesprächsrunde zur Gemeindefusion auf dem Programm: Bruck, Oberaich, Pernegg und die Breitenau sind eingeladen, sich unter Begleitung des Landes Gedanken über eine gemeinsame Zukunft zu machen. Dabei ist für die drei "Kleinen" klar: Falls es zur Fusion kommen muss, wollen sie endlich wissen, was in ihren Gemeinden an Infrastruktur bleibt. Bis jetzt fühlen sie sich schlecht informiert.
Schlecht informiert fühlen sich auch viele Gemeinderäte und Stadträte in Bruck und Kapfenberg. Dort wird seit Jahresbeginn im ganz kleinen Kreis über eine Fusion der dritt- und viertgrößten Stadt der Steiermark verhandelt. Aber es dringt nur sehr wenig nach außen, was für einen gewissen Unmut sorgt. Ein "ausgeschlossener" SPÖ-Vertreter bringt es so auf den Punkt: "Das ist schon wie früher in der Sowjetunion. Hinter geschlossenen Türen wird verhandelt, und wir dürfen dann das Ergebnis beklatschen."
Aber es gibt noch kein Ergebnis zu beklatschen. Angeblich gibt's zwar die grundlegende Übereinkunft, dass die beiden Städte verschmelzen - und darüber hinaus auch die Umlandgemeinden. Aber in vielen Fragen ist man uneinig. So soll etwa von Kapfenberger Seite als künftiger Bürgermeister Hannes Weißenbacher ins Spiel gebracht werden. Dieser ist zwar seit Jänner 2011 SPÖ-Stadtparteivorsitzender und hat in seiner Sektion am Schirmitzbühel sehr tüchtig gearbeitet, ist aber politisch noch ein Leichtgewicht, da erst seit 2010 im Gemeinderat.
Von Brucker Seite soll hingegen Hans Straßegger ins Spiel gebracht werden, lang gedienter SPÖ-Vizebürgermeister und Bezirksgeschäftsführer - und außerdem ein Typ, der mit allen kann und somit eine Integrationsfigur wäre. Dass eines der beiden jetzigen Stadtoberhäupter künftig die Geschicke einer Großgemeinde lenken wird, ist wenig wahrscheinlich. Kapfenbergs Brigitte Schwarz wird als Nachfolgerin der Landtagsabgeordneten Waltraud Bachmaier-Geltewa gehandelt, und der Brucker Bürgermeister Bernd Rosenberger ist bei der nächsten Gemeinderatswahl 67 Jahre alt. Er wirkt keineswegs amtsmüde und viele trauen ihm zu, noch einmal in den Ring zu steigen.
Aber es geht ja nicht nur darum, wer künftig Bürgermeister sein darf. Es sind unzählige Fragen zu klären, so etwa auch der Standort des gemeinsamen Gemeindeamtes. Hier soll es dem Vernehmen nach den dringenden Wunsch von Bruck geben, das große Rathaus am stattlichen Hauptplatz als Zentrum einer künftigen Großgemeinde zu küren. Aber da kann Kapfenberg nicht mit: Die deutlich kleinere Stadt soll das Zentrum sein und den Bürgermeister stellen?
Auch die Verwaltung und die Personalvertretung sollen nicht oder kaum eingebunden sein. Allerdings soll es schon nächste Anträge in den Gemeinderatssitzungen geben, um die Diskussion auf eine breitere Basis zu stellen. Das interessiert auch die kleinen Nachbarn, denn wenn's wirklich eine große Lösung gibt, wollen sie wissen, was ihnen blüht. Ein Bürgermeister: "Es muss endlich Gespräche mit uns geben, im mittelgroßen Rahmen und mit professioneller Unterstützung."
FRANZ POTOTSCHNIG








