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Zuletzt aktualisiert: 27.10.2011 um 21:16 UhrKommentare

Wer will noch Kellner oder Koch werden?

Nur wenige Wirte kamen gestern zum Branchenstammtisch in die Brucker Wirtschaftskammer. Dabei betraf das Thema sehr viele: die Personalnot in der Gastronomie. Vor allem gelernte Kräfte sind seit Jahren schwer zu finden.

Ob Küche oder Service - viele Gastronomen leiden akut unter Personalmangel

Foto © APAOb Küche oder Service - viele Gastronomen leiden akut unter Personalmangel

An die 300 Wirte aus dem Bezirk Bruck waren eingeladen, angemeldet hatten sich 15, gekommen sind dann aber nur fünf Gastronomen in die Brucker Wirtschaftskammer, wie WK-Regionalstellenleiterin Martina Romen-Kierner anmerkte. Dieses geringe Interesse wunderte alle, denn das Thema ist seit Jahren ein Ärgernis für Wirte: die Personalnot in der Gastronomie.

Der Oberaicher Rudi Pichler hat bereits einen zweiten Ruhetag eingeführt, weil er es mit dem vorhandenen Personal nicht mehr schafft. Sein Kollege Sepp Hollerer jun., ebenfalls aus Oberaich, hat ähnliche Sorgen: "Ich kann den Betrieb nur aufrechterhalten, weil meine Eltern tatkräftig mithelfen." Und Wirtin Rosi Folger beklagte, dass kaum junge Leute am Wochenende und am Abend arbeiten wollen.

Viele Hindernisse

Für das Arbeitsmarktservice Bruck waren dessen Leiter Walter Scharler sowie der Chef des "Service für Unternehmen", Günther Wagner, gekommen. Scharler erläuterte die Situation: "Derzeit haben wir 60 freie Stellen im Gastgewerbe, 264 Arbeitssuchende sind in der Branche vorgemerkt." Auf die Frage, ob man da die 60 Stellen nicht leicht besetzen könnte, antwortete der AMS-Chef, dass man sich die Sache im Detail ansehen müsse. So ist nur etwa die Hälfte frei vermittelbar, ein Viertel kann wegen Betreuungspflichten nur eingeschränkt arbeiten, ein Viertel ist in Rehabilitation. Wagner ergänzte, dass die Zahl an Fachkräften noch viel niedriger sei: " Köche sind drei vorgemerkt, wobei zwei schon eine Option haben."

Wenig Wille

Die Wirte beklagten, dass sich nicht einmal jene melden würden, die vom AMS geschickt werden. "Und wenn jemand kommt, dann passt dieses und jenes nicht, und es gibt viele Gründe, um nicht zu bleiben", sagte Kaltrina Gerxhaliu von der Brucker Pizzeria "San Marco". Haubenkoch Hans Wöls aus Etmißl fehlt es an Flexibilität: "Bei uns fährt alles nach Bruck und Kapfenberg hinaus zur Arbeit. Aber zu uns herein - das ist nicht zumutbar!"

Die Wirte kritisierten, dass die Gesetze das Nichtstun für viele attraktiver machen als das Arbeiten. Die Vertreter des AMS erklärten, welche ungenutzten Möglichkeiten es trotzdem gebe, von der verspäteten Lehre ab 18 Jahren bis zur Wiedereingliederung älterer Arbeitnehmer.

Die Diskussion verlief hitzig, aber konstruktiv. Man bleibt intensiv im Gespräch, das wurde am Ende allseits betont.

FRANZ POTOTSCHNIG

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