"Dann wird es finster in unserem Tal"
Das Mürzer Oberland hat nur noch ein Postamt. Wird es geschlossen, ist der Postfuchs zwischen Mürzzuschlag und Mariazell ausgestorben.

Foto © Ulf TomaschekIn Neuberg hält die Post noch die letzte Bastion im Mürztal
Montag, um 14 Uhr: Hinter dem Postamt in Neuberg an der Mürz wird eifrig gebaut, ein UMTS-Handymast wird aufgestellt. Postamtsleiter Arnd Meißl hat seine Mittagspause beendet, sperrt die Post auf und leert den Briefkasten vor dem Haus. "Nein, ich darf keine Auskünfte zur Situation der Post geben. Bitte um Verständnis", sagt er freundlich, aber bestimmt.
Das Neuberger Postamt ist das letzte im Mürzer Oberland. Mürzsteg und Frein wurden schon vor Jahren zugesperrt. Lediglich in Kapellen gibt es noch eine Postservicestelle. Sonst ist der Postfuchs auf den 50 Kilometern zwischen Mürzzuschlag und Mariazell ausgestorben.
Alles wird weniger. Ein älterer Mann wartet vor der Post auf den Autobus. Was würde das für ihn bedeuten, wenn auch das Neuberger Postamt seine Pforten schließt? "Das wäre ein Problem", sagt der Mann. "Alles wird weniger hier im Tal." Die Angst, dass auch Neuberg die Post verliert, ist groß. "Das ist schon Gesprächsthema im Ort. Das regt die Leute auf", weiß der Mann, der anonym bleiben will.
3100 Einwohner zählten die vier Gemeinden des Mürzer Oberlandes noch bei der letzten Volkszählung. Jetzt sind es noch 2700. "Die Jungen müssen fortgehen, sie haben hier ja keine Perspektive", seufzt Johann Blaser. Der Pensionist und "eingeborene Neuberger" fürchtet sich davor, künftig vielleicht nach Mürzzuschlag auf die Post fahren zu müssen. "Die Bahn ist stillgelegt, die Busverbindungen sind schlecht", kritisiert er.
Die Alten bleiben. Die Alten bleiben im Mürzer Oberland. "Je weiter du ins Tal hineinkommst, desto älter werden die Leute", meint Franz Klopf. Der 48-Jährige kommt aus der Nachbargemeinde Mürzsteg. "Wenn die Post in Neuberg zusperrt, wird es finster im Tal, selbst wenn man mobil ist."
Sämtliche Infrastruktur-Einrichtungen sind mittlerweile in Neuberg, dem Hauptort des Tals, konzentriert: Polizei, Hauptschule, die praktischen Ärzte, der Zahnarzt und eben die Post. "Das wäre ein großer Verlust für das Tal, wenn die Post zusperrt", meint eine Frau. "Denn dort haben wir ein persönliches Service, sind die Leute für uns da."
Das bestätigt auch Martina Hein, die in ihrem Lebensmittelgeschäft in Kapellen die Postservicestelle führt. "Das wäre eine Katastrophe für die Region. Wo sollen die Berufstätigen dann ihre Postwege erledigen oder ihre Hinterlegungen abholen?"
Franz Klopf hält sich nicht mit langen Formulierungen auf. Sollte das Neuberger Postamt zusperren, wäre das "saumäßig".







