Dem Leben bei psychischen Erkrankungen Struktur geben
Trotz einer psychischen Erkrankung (wieder) so gut wie möglich Fuß fassen im Leben. Die Betreuer der sozialpsychologischen Tagesstruktur in Mürzzuschlag unterstützen dabei.

Foto © AuerUlrike Tonn (links) und Psychologin Sandra Morin gehören zum Betreuerteam der Tagesstruktur in Mürzzuschlag
Im Garten der Sozialpsychiatrischen Tagesstruktur in der Grazerstraße steht ein Tipi. "Das war der Wunsch eines Klienten, der sehr viel in Kanada war", erklärt Pädagogin Ulrike Tonn. "Es war sein Traum, daheim konnte er es nicht aufstellen." Den Traum haben alle Klienten gemeinsam erfüllt und das Tipi errichtet. "103 Quadratmeter Stoff wurden vernäht. Das Tipi zeigt, was die Leute in der Tagesstruktur in der Lage sind zu leisten."
Burn-out, Depression, Persönlichkeitsstörungen, Schizophrenie - Menschen mit diesen Krankheitsbildern sind die Klienten. Sie werden unterstützt, um ihrem Leben wieder einen möglichst geregelten Ablauf zu geben. Auch Suchtkranke kommen oft nach einem Entzug. "Rettet das Kind" betreibt die Tagesstruktur, es gibt zwölf Plätze, "aber der Bedarf ist weit höher".
Leben strukturieren
Die Ziele der Einrichtung sind die Förderung und Stabilisierung der Klienten, die Wiedererlangung einer selbstbestimmten Lebensführung sowie berufliche Förderung und Vorbereitung der Integration in die Berufswelt. Man beginnt oft bei augenscheinlich einfachen Dingen - für Menschen mit psychischen Erkrankungen jedoch große Hürden. "Depressive Menschen zum Beispiel haben keine Struktur, sie kommen nicht aus dem Bett, gehen nicht einkaufen, kochen nicht, ernähren sich schlecht."
In der Tagesstruktur gibt es Aktivitäten, die Struktur geben, vom Zeichnen und Basteln bis hin zum Nordic Walking. Tonn: "Alles ist freiwillig." Es gilt, die Klienten an die Tätigkeiten heranzuführen. Jeden Tag wird gekocht, auch das erledigen die Klienten. Das Team besteht aus drei Betreuern mit psychosozialer Grundausbildung und speziellen Fachausbildungen. Tonn: "Wir sind Familien- und Arbeitsplatzersatz."
90 Prozent der Klienten haben eine Fachausbildung, standen einmal mitten im Leben. Stunden- oder tageweise arbeiten wäre für viele möglich, aber es gibt keine Arbeitsplätze. Tonn vermisst auch die Möglichkeit im Sozialsystem, dass Menschen mit psychischen Erkrankungen teilweise arbeiten gehen können und ihnen der Rest ihres Lebensbedarfes aufgezahlt wird.









