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Zuletzt aktualisiert: 25.07.2011 um 18:09 UhrKommentare

Polizei: Cobra anfordern, aber nicht abwarten

Nach den Amokläufen in Winnenden und Erfurt hat Österreichs Polizei ihre Taktik geändert: Nicht abwarten, sondern eingreifen, den Täter stören, Leben retten, lautet die Devise.

Training für den Ernstfall: Männer der Cobra-Süd in Graz

Foto © POLIZEI Training für den Ernstfall: Männer der Cobra-Süd in Graz

Beim Massaker in Norwegen hat die lokale Polizei das Eintreffen des Spezialkommandos abgewartet. 107 Minuten sind verstrichen, bis die Spezialisten auf der Insel eintrafen. Warten auf die Spezialisten - das galt auch für die österreichische Polizei viele Jahre. Die die Amokläufe in Winnenden und Erfurt (Deutschland) hat bei Österreichs Exekutive zu einem Umdenken geführt. Die Einsatztaktik bei Amokläufen wurde geändert.

Die neue Devise lautet: Cobra anfordern, aber nicht abwarten. Sofort eingreifen, den Täter irritieren, Leben retten. Seit zwei Jahren werden die Polizisten für das aktive Vorgehen bei Amokläufen geschult. "Es hat keinen Sinn, abzuwarten, bis wir kommen, während ein Amokläufer ein Blutbad anrichtet", sagt Generalmajor Bernhard Treibenreif, Kommandant des Einsatzkommandos Cobra. "Die lokalen Polizisten müssen sofort eingreifen, um Schlimmeres zu verhindern."

Millionen für Schusswesten

Deshalb werden sie nicht nur geschult, sondern auch dementsprechend ausgerüstet. Das Innenministerium hat für die Anschaffung von Schusswesten fünf Millionen Euro lockergemacht. Schusswesten und eine Langwaffe (Sturmgewehr) sollen künftig zur Standardausrüstung einer Streife gehören. "Das Wichtigste sind die örtlichen Kräfte", sagt Treibenreif, "die sind schneller am Tatort als wir."

Aber auch ein rasches Eingreifen der Cobra ist garantiert. "Wir können in etwa einer Stunde jeden Einsatzort erreichen", bestätigt Manfred Komericky, Cobra-Kommandant für Steiermark und Kärnten. "In den Ballungsräumen wie Graz oder Klagenfurt, sind wir noch wesentlich schneller am Tatort."

Regionale Einheiten

Das Einsatzkommando Cobra - die Zentrale befindet sich in Wiener Neustadt - ist 432 Mann stark und hat acht Außenstellen: Wien, Wiener Neustadt, Linz, Graz und Innsbruck. Zu Linz. Graz und Innsbruck gehören die operativen Stützpunkte Salzburg, Klagenfurt-Krumpendorf und Feldkirch. "Eine derartige Regionalisierung einer Sondereinheit gibt es nur bei uns in Österreich", betont Bernhard Treibenreif. "Das hat sich in der Vergangenheit auch schon bezahlt gemacht."

Auf noch etwas weist der Cobra-Chef hin. "Weil wir eine Einheit sind, können wir jederzeit bundesländerübergreifend tätig werden. Wenn beispielsweise in Mürzzuschlag die Cbora benötigt wird, rücken die Männer in Wiener Neustadt aus. Wenn notwendig, können wir auch jederzeit einen Hubschrauber anfordern. Alle unsere Hauptstützpunkte befinden sich in der Nähe einer Flugeinsatzstelle." Und: In Wien gibt es auch noch die Spezialeinheit WEGA.

HANS BREITEGGER

ERFURT UND WINNENDEN

26. April 2002: Im Gutenberg-Gymnasium in Erfurt in Deutschland erschießt ein 19-Jähriger zwölf Lehrer, eine Sekretärin, zwei Schüler und einen Polizisten.

11. März 2009: Amoklauf eines 17-Jährigen in der Albertville-Realschule in Winnenden: Neun Schüler, drei Lehrerinnen und drei Passanten sterben.

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Bild vergrößernCobra-Einsatz aus der Luft: Die Spezialisten sind gerüstet Foto © POLIZEI

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