Gaugg: "Neue Ordnung für Ärzte"
Der Mann hinter dem umstrittenen Gesundheits-Strukturplan: Harald Gaugg über zähe Fortschritte, neue Pflichten und neue Arbeitszeiten für Ärzte.

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Ist der steirische Gesundheitsstrukturplan, den Sie mit Ihrem Kollegen Siegfried Marchel erarbeitet haben, nach den Turbulenzen um Bad Aussee und Mürzzuschlag gescheitert?
HARALD GAUGG: Meine persönliche Einschätzung: Der Plan wird schwerer zu realisieren sein. Ich glaube aber nicht, dass Gesundheitspolitik jetzt mit Bad Aussee aufhört.
Beim ersten Anlassfall stellt es sich aber heraus, dass die Planung politisch schwer umsetzbar ist. Muss Gesundheitspolitik jetzt neu und anders betrieben werden - zum Beispiel so, wie man Kraftwerksgegner überzeugt?
GAUGG: Die Umsetzung von Gesundheitspolitik ist Kommunikation mit der Bevölkerung. Da müssen alle noch viel lernen. Nehmen wir nur den Ärztekonflikt im letzten Jahr: Man hat nicht formuliert, um was es eigentlich geht. Die Ärzte hatten es - salopp formuliert - sehr leicht dieses Match zu gewinnen.
Reformen müssen kommen, weil das Geld für die Gesundheit knapp wird: Hans-Jörg Schelling, Präsident des Hauptverbandes, ortet im Bereich der Schnittstellen Spitals-ambulanzen und Arztpraxen Chancen zum Sparen.
GAUGG: Die Vermutung gibt es schon lange, trotzdem haben wir bis heute keine genaue Berechnungen dazu. Es ist nie gelungen eine Arztpraxis oder eine Spitals-ambulanz genau zu kalkulieren.
Sie sind sich nicht einmal sicher, dass eine Arztpraxis günstiger ist?
GAUGG: Meine Einschätzung: Etwa ab dem 100. Patienten wird es in der Ambulanz günstiger als in der Facharztpraxis. Aber es geht vordergründig nicht nur um Ökonomie: Wenn der Patient zur falschen Zeit zum falschen Ort gelotst wurde, bekommen wir ein teures Gesundheitssystem.
Welche aktuellen Beispiele gibt es dafür?
GAUGG: Der direkte Weg zum Facharzt ist nicht immer sinnvoll, weil das Weiterschicken der Patienten nicht nur die Systemkosten verteuert, sondern auch für Patienten unangenehm ist. Der zweite Teil ist die präoperative Diagnostik, ein Streitpunkt zwischen Land und Sozialversicherung. Da könnte man ruhig festhalten: Die einfache Diagnostik ist draußen zu machen, die komplizierte im Spital.
Ist das ein Geburtsfehler der eCard?
GAUGG: Nein, so sehe ich das nicht. Man muss in der Gesundheit nur exakte Wege vorzeigen. Der Gesundheitsmarkt ist ein angebots-indizierter. Sie werden nichts finden, was über den Patienten zu steuern ist. Alle Selbstbehalte haben nur etwa ein halbes Jahr gewirkt. Deshalb müssen sie den Anbietern, den Ärzten also, Rollen zuweisen. Dann benötigen Sie eine Ordnung zwischen den Anbietern. Wir haben bisher nicht definiert, was ein Arzt einbringen muss und was er nicht darf.
Was muss sich ändern, damit der Patient endlich profitiert?
GAUGG: Die Rolle des Hausarztes muss näher definiert werden. Es muss zu einer Bündelung der ambulanten Facharztversorgung kommen und zu einer Änderung der Arbeitszeiten. Wenn der Arbeitsmarkt schärfer wird, müssen die Patienten die Möglichkeit haben, abends zum Arzt zu gehen.
Wie kann man den Ärzten näher bringen, dass sie sich in eine größere Struktur einbinden müssen?
GAUGG: So frei ist der Arzt nicht, wenn er einen lebenslangen Vertrag mit der Sozialversicherung hat. Es ist nichts Schlimmes dran, wenn man dem Arzt sagt, welche Leistungen er anbieten muss. Er bleibt ja trotzdem Unternehmer.
Und wie werden Sie das den Ärzten beibringen?
GAUGG: Als Voraussetzung brauchen wir eine Lockerung des Gesamtvertrages: Wenn die Ärztekammer nicht will, dann können wir nichts tun. Wir müssen verhandeln, aber es muss ein Ende absehbar sein. Der Druck wird immer größer, weil immer weniger Geld im System sein wird.
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Zur Person
Harald Gaugg war von 1981 bis 1997 Kabinettschef bei drei Gesundheits-








