Kehrt nach Ausschluss endlich Ruhe ein?
Die Freiwillige Feuerwehr Bruck steht gut da: ein nagelneues Rüsthaus, 14 Einsatzfahrzeuge und einen Aktivstand von 79 Mann. Aber intern schwelt seit Langem ein Konflikt.

Foto © Erwin Scheriau/Sujet
Der jüngste Höhepunkt war der Rauswurf von Reinhard Tautscher, seit 20 Jahren Mitglied bei der Freiwilligen Feuerwehr Bruck. Ihm wurde Anfang März in einem kurzen Schreiben mitgeteilt, dass er aus der Feuerwehr ausgeschlossen worden sei, weil er seine "freiwillig übernommenen Pflichten nicht mehr erfüllen" kann.
Tautscher versteht das nicht: "Nach 20 Jahren bei der Wehr kriegt man so einen Brief! Keine Begründung, kein Dank, nicht einmal ein Gespräch hat man mir angeboten." Er betont, dass er hauptberuflich Kommandant der Betriebsfeuerwehr Magna in Lannach ist, die etwa gleich groß ist wie die Brucker Wehr, aber mit 20 Berufsfeuerwehrleuten (Bruck hat drei). Und er sei im Vorjahr bei 20 Einsätzen gewesen, "es gibt genug Kameraden mit null bis 15 Aktivitäten".
Christian Jeran, der Kommandant der Brucker Feuerwehr, sieht diesen Rausschmiss völlig anders: "Von den 40.000 Stunden, die wir im Vorjahr geleistet haben, entfallen auf Reinhard Tautscher genau 20. Er war seit drei Jahren bei keiner Übung, und bei unserem großen Rüsthausumbau hat er von den 55.000 Stunden, die wir geleistet haben, keine einzige zusätzliche Tätigkeit vorzuweisen."
Man habe es sich nicht leicht gemacht, aber wenn jemand nichts tue und bei jeder Gelegenheit gegen die Wehr intrigiere, müsse man irgendwann einen Schlussstrich ziehen: "Ob Kameradschaft, Weihnachtsfeier, Ausflüge oder Einsätze - da war nichts!"
Tautscher ist nicht der Einzige, der gehen musste. Ein Feuerwehrmann wurde wegen Postings auf Facebook im Internet ausgeschlossen. "Das ist lächerlich, nur wegen eines Fotos, auf dem mit einem Ex-Kameraden ein Bier getrunken wird. Das ist doch nur ein Vorwand."
Lächerlich gemacht
Kommandant Jeran sieht das anders: "Es ging nicht um das Foto, sondern da wurden einige Kameraden als Schleimer hingestellt, weil sie was tun. Wir lassen nicht zu, dass man gute Leute öffentlich lächerlich macht, das haben sich die nicht verdient!" Die Unruhe soll es übrigens geben, seit besagter Ex-Kamerad vor Jahren aus der Brucker Wehr ausgeschlossen worden ist.
Tautscher meint, dass der Riss quer durch die Feuerwehr gehe, das merke man schon daran, dass sich bisher erst elf von 81 Aktiven für den Ausflug nach Griechenland angemeldet haben: "Da merkt man ja: Die Kameradschaft stimmt nicht mehr!" Jeran entgegnet: "Wir machen zwei Ausflüge, nach Griechenland haben wir bisher 32, nach Kroatien 17 Teilnehmer, das sind 49." Und quer durch die Wehr gehe der Riss keineswegs. Jeran geht davon aus, dass es sich um fünf bis sechs Leute handelt, die auf Tautschers Seite sind: "Sein Ausschluss wurde im Feuerwehrausschuss mit 14:1 Stimmen beschlossen, das sagt wohl einiges."
Für Tautscher steht auch die Vermutung im Raum, dass man mit seinem Rausschmiss einen Gegner für die Kommandantenwahl im kommenden Jahr eliminieren wollte. Schließlich hat er an Kursen und Qualifikationen einiges vorzuweisen und als "Hauptbrandinspektor" denselben Dienstgrad wie Jeran.
Dazu sagt der Feuerwehrreferent der Stadt Bruck, Hans Straßegger: "Selbst wenn eine zweite Gruppe antreten sollte, bin ich sicher, dass Jeran mit großer Mehrheit gewählt werden würde. Wir haben ein Führungsduo, das perfekt ist." Die große Mehrheit sei mit viel Eifer bei der Sache, dass aber immer wieder gegen die Führung intrigiert werde, mache ihm Sorgen: "Das verunsichert ja auch die Jungen, die noch nicht lange dabei sind." Dabei sei man sehr bemüht, gerade ihnen viel zu bieten. So gibt es im Rüsthaus sogar einen eigenen Fitnessraum.
Feuerwehr-Bezirkskommandant Reinhard Leichtfried, ein Mariazeller, hat auch schon von den Unruhen gehört, aber in so etwas mischt er sich nicht ein: "Ich kann nur sagen, dass die Brucker Feuerwehr sehr aktiv ist, und die Zusammenarbeit mit dem Bezirk ist sehr gut, besonders seit Christian Jeran Kommandant ist. Er ist für unsere Anliegen immer offen."
Wie geht's weiter? Tautscher wünscht sich eine Aussprache mit dem Brucker Kommando. Jeran dazu: "Ich habe mehrmals stundenlange Gespräche mit ihm geführt, und wir sind immer auseinandergegangen mit seiner Zusicherung, es werde sich alles ändern. Aber es hat sich nichts geändert." Deshalb wäre er auch bei einem weiteren Gespräch wenig optimistisch, dass sich noch alles zum Besseren wenden könnte.







