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Zuletzt aktualisiert: 15.05.2010 um 20:16 UhrKommentare

Geht Mausi mit, dann meckert keiner

Alleine zu wandern, das ist eine Sache.In der Gruppe und mit Ziegen zu wandern, eine völlig andere. Diese besondere Art des Naturerlebnisses bietet das Kindberger Tschipsiländ an.

Mit der Ziege die Natur zu erkunden ist ein besonderes und zugleich völlig stressfreies Wandern, das viele positive "Nebenwirkungen"

Foto © PrivatMit der Ziege die Natur zu erkunden ist ein besonderes und zugleich völlig stressfreies Wandern, das viele positive "Nebenwirkungen"

Jutta Ochsenhofer und Hannes Nievoll haben einen wunderschönen freien Blick auf das Mürztal von ihrem "Tschipsiländ" beim Schloss Oberkindberg.

In solche einer Umgebung tut man sich mit kreativen Ideen leichter. "Wir sind selber ein bisschen witzig", begründet Ochsenhofer zusätzlich schmunzelnd, warum sie und ihr Mann immer wieder etwas finden, was ihren Gästen außergewöhnliche Erlebnisse beschert. So ist man etwa mit Ziegen auf heimischen Wanderwegen unterwegs. Kinder, Erwachsene und vor allem auch Menschen mit körperlichen und geistigen Handicaps führen Ochsenhofer und Nievoll so durch die Natur.

Ob es nur eine zweistündige Wanderung ist oder die Zwei-Tages-Tour nach Mariazell - das Paar richtet sich dabei ganz nach den Bedürfnissen der Gäste.

Sozialer Aspekt

Wandern an sich tut der Seele schon gut, mit den Ziegen erreicht man noch mehr, ist Ochsenhofer überzeugt. Damit bekommt das Wandern unter anderem einen sozialen Aspekt: Ob Kind oder Erwachsener, viele haben eine äußerst endenwollende Geduld. "Alles muss sofort funktionieren", weiß Nievoll aus zahlreichen Begegnungen mit seinen Gästen auf Tschipsiländ. Tiere funktionieren nicht immer sofort. Ochsenhofer: "Und wenn die Ziege einmal nicht weiterwill, muss man sich überlegen, wie man sie weiterkriegt." Und dann sind Diplomatie, Einfühlungsvermögen, Geduld und das Eingehen auf ein anderes Lebewesen gefragt. Tugenden, die immer mehr Kindern und Erwachsenen abhandenkommen. "Wir sagen klar und deutlich, dass man dann nicht einfach einen Stecken nimmt und hinschlägt", erklärt Ochsenhofer.

Das Ziegentrekking war eine Idee der beiden, die sonst noch niemand in der Steiermark hatte. Ochsenhofer und Nievoll bieten es in ihrem Tschipsiländ an, sie kommen mit den Tieren aber auch zu den Kunden. So ging man etwa erst kürzlich mit Gästen des Brucker Jugendgästehauses auf Wanderschaft. "Einen Tag vorher haben die Kinder nach 20 Minuten Wandern gemeckert, weil es ihnen zu fad war. Wenn wir mit den Ziegen gehen, meckert niemand", ist Ochsenhofer stolz. Denn da sind die Wanderer gut beschäftigt. Schließlich gehört die Ziege geführt und mittendrin auch einmal zum Weitergehen motiviert. Das lenkt auch von der Weglänge ab, sollte es vonnöten sein.

20 Ziegen, alle für das Trekking ausgebildet, leben auf Tschipsiländ. Sie heißen Mausi, Pumuckl, Veronika oder auch Mary Ann, sind leicht zu führen, geländetauglich, machen auf den Wanderwegen nichts kaputt und man kann sie auch frei gehen lassen, denn sie laufen nicht davon.

Jutta Ochsenhofer und Nievoll arbeiten sehr viel im Bereich der Tiertherapie. Die Arbeit mit behinderten Menschen wird ein immer größerer Teil von Tschipsiländ. Das Ziegentrekking eignet sich auch für geistig behinderte Menschen gut, viele Einrichtungen aus dem Behindertenbereich nutzen es bereits.

MICHAELA AUER

TSCHIPSILÄND

Ziegentrekking ist eine intensive Natur- und Tiererfahrung. Es ist stressfreies Wandern mit Gleichgesinnten. Der vierbeinige Begleiter trägt den Wanderproviant in einer Packtasche, ist aber nicht nur Lastenträger, sondern Weggefährte mit Charakter.

Tschipsiländ ist ein Naturspielraum, man bringt Kindern und Erwachsenen die Natur näher, bietet viele Angebote im Bereich der tiergeschützten Therapie, Naturerlebnisse für Schulen, Gruppen, es gibt unter anderem Projektwochen, Ferienangebote. www.tschipsilaend.at

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