Der Architekt baut das Mosaik fertig
Der Architekt Otmar Edelbacher führt seit knapp zehn Jahren den Tourismusverband Mariazeller Land als Vorsitzender. Mit dem bisher "Gebauten" ist er durchaus zufrieden, er will das Werk aber vollenden.
Das Mariazeller Veranstaltungszentrum Europeum wurde 2008 mit viel Pomp und großen touristischen Erwartungen eröffnet. Im September dieses Jahres musste das Land Steiermark einsteigen und 1,5 Millionen Euro zuschießen. Ist für Sie als Vorsitzender des Tourismusverbands Mariazeller Land das Europeum nun ein Flop?OTMAR EDELBACHER: Nein, ganz sicher nicht. Das Europeum war ein Jahrhundert-Coup für das Mariazeller Land. Zu einen hat es die bauliche Struktur der Mariazeller Altstadt bereinigt, was für mich als Architekt natürlich sehr befriedigend ist. Zum anderen bleibt das Europeum das Leitprojekt der gesamten Region.
Aber ist es nicht bedenklich, dass das Haus schon nach so kurzer Zeit finanzielle Hilfe und einen neuen Geschäftsführer braucht?EDELBACHER: Die Erwartungen vieler in der Region in das Europeum waren zu hoch. Man muss einem solchen Projekt eine Anlaufzeit von drei Jahren gönnen. Als Tourismusverantwortlicher bin ich den Mariazellerland-Gemeinden und dem Land Steiermark jedenfalls sehr dankbar, dass diese Lösung gefunden wurde. Und ich freue mich über das neue Management mit einem neuen Geschäftsführer.
Was muss man künftig tun, um das Europeum erfolgreich zu führen?EDELBACHER: Unser Ziel muss sein, über ein professionelles Marketing kulturelle Veranstaltungen und Tagungen nach Mariazell zu bringen. Wichtig wäre auch, Paketlösungen zu verkaufen, ich denke da an Verbindungen mit sportlichen Aktivitäten einerseits, aber auch an kulturell-religiöse Zielsetzungen. Zwei, drei Tage soll der Gast bei uns bleiben. Langzeiturlauber bekommt man mit dem Europeum ohnedies nicht. Darüber hinaus müssen wir das nützen, was ohnedies vorhanden ist, etwa die Anbindung an die Gastronomie und Hotellerie.
Entsprechen Gastronomie und Hotellerie den Erwartungen des Gastes?EDELBACHER: Es hat sich in dieser Hinsicht schon viel getan, aber wir müssen weiter aufrüsten. Die Zimmerqualität muss verbessert, das Zimmerangebot muss erweitert werden. Wir müssen genug Zimmer haben, um die Teilnehmer kleinerer Tagungen in der Stadt unterbringen zu können. Der Gast will abends nicht über den Seeberg zum Schlafen fahren. Und mehr Einzelzimmer sind absolut notwendig.
Viele Investoren in die Mariazeller Gastronomie und Hotellerie kommen aus Ungarn. Finden sich keine österreichischen Käufer?EDELBACHER: Ich bin wirklich überrascht, dass sich keine Österreicher finden, die Betriebe im Mariazeller Land kaufen. Mittlerweile sind sechs Betriebe in der Region von ungarischen Investoren gekauft worden. Wichtig ist: Wir müssen sie einbinden. Sie sind sehr engagiert und sehr bemüht, aber es gibt zweifellos ein Sprachproblem, vor allem beim Personal. Wichtig ist, dass wir sie nicht aufs Abstellgleis schieben.
Die Weihnachtszeit ist erst kurz vorbei, der Mariazeller Advent fand heuer zum zehnten Mal statt. Sind Sie mit dem Mariazeller Advent zufrieden?EDELBACHER: Der Mariazeller Advent hat die Erwartungen voll erfüllt, die wir vor zehn Jahren in ihn gesetzt hatten. Wichtig war uns von Anfang an, dass er kein klassischer Christkindlmarkt wird - und das Ambiente des Hauptplatzes und der Basilika sprechen ohnedies für sich. Er ist ein beliebtes Ausflugsziel im Advent geworden, das ist auch bei den Nächtigungszahlen und bei der Umwegrentabilität der heimischen Betriebe spürbar. Wir haben für den Mariazeller Advent aber als Tourismusverband auch viel Geld in die Hand genommen und kommen ohne Subventionen aus.
Es gibt seit einiger Zeit im Mariazeller Land die Sommer-Veranstaltungreihe "Bergwelle". Wird dieses Kulturprogramm auf der Bürgeralpe angenommen?EDELBACHER: Die Bergwelle wird sehr positiv angenommen, Geschäftsführer Johann Kleinhofer macht seine Sache sehr gut.
Ist die Basilika nach wie vor der große touristische Anziehungspunkt? Und wie beurteilen Sie die steigende Zahl an Pilgern?EDEBACHER: Sie ist und bleibt unser Highlight, und es war ein Glück, das Karl Schauer als Pater Superior gekommen ist, dabei bleibe ich. Die Pilger nächtigen leider nicht bei uns. Wir müssen die Pilger und Wallfahrer aber auch herzlicher empfangen, dafür sind auch punktuelle Verkehrsberuhigungen in der Stadt notwendig, wenn die Wallfahrergruppen kommen. Und ein Wallfahrtkoordinator wäre absolut notwendig.
Sie haben immer gesagt, sie streben eine zehnmonatige Auslastung im Tourismus an. Ist das Mariazeller Land schon so weit?EDELBACHER: Noch nicht, aber mit den erreichten neun Monaten dürfen wir durchaus zufrieden sein.
Sie sind seit 2000 Vorsitzender des Tourismusverbands Mariazeller Land. Sie haben einmal gesagt, Sie wollten gar nicht so lange bleiben. Ist ein Ende der Ära Edelbacher abzusehen?EDELBACHER: Der Tourismusverband und die Mariazellerland-Gemeinden haben mit Blut, Schweiß und Tränen viel erreicht und gemeinsam etwas geschaffen. Das Mosaik ist noch nicht fertig, aber viel fehlt uns nicht mehr. Und als Architekt will ich das Mosaik schon fertigbauen.








