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Zuletzt aktualisiert: 04.03.2012 um 14:28 UhrKommentare

Deutsches Trainer-Duell beim steirischen Derby

Am Sonntag steigt das große Steirer-Derby zwischen KSV gegen Sturm - mit zwei deutschen Trainern auf der Bank. Die Kleine Zeitung bat KSV-Coach Thomas von Heesen und Sturm-Trainer Franco Foda vorab zum Duell.

Zwei Deutsche in der Steiermark: KSV-Trainer Thomas von Heesen und Sturm-Trainer Franco Foda

Foto © KLZ/HoffmannZwei Deutsche in der Steiermark: KSV-Trainer Thomas von Heesen und Sturm-Trainer Franco Foda

Die freundschaftliche Umarmung ist nicht gespielt. Da kennen sich zwei wirklich gut. Welche Schwächen hat der SK Sturm, Herr von Heesen? Der antwortet nicht, haut Franco Foda nur kumpelhaft auf die Schulter und lacht: "Sag' du!" Foda grinst. Später wird er sein Gegenüber nur noch "Tommi" nennen.

Mit großem Getöse beginnt das Treffen der beiden deutschen Bundesligatrainer auf Einladung der Kleinen Zeitung im Grazer Schlossberg-Restaurant. Aber nicht wegen Fanfaren oder Blitzlichtgewitter, sondern weil Foda beim inszenierten Kickerl im Foyer fast den Schirmständer umschießt. Unentschieden.

Bevor sich die beiden Deutschen am Sonntag in Kapfenberg erstmals als Trainer gegenüberstehen, erinnern sie sich an ihre aktive Zeit: Dutzendmal haben sie in der deutschen Bundesliga gegeneinander gespielt, Foda defensiv für Kaiserslautern, von Heesen offensiv für den Hamburger SV. Und obwohl der Sturm-Trainer fünf Jahre jünger ist, waren sie Seite an Seite im deutschen U21-Nationalteam aktiv. Wer war denn der bessere Fußballer? "Das kann man so nicht sagen", urteilen die Ball-Diplomaten unisono. Und es sollten sich noch viele Gemeinsamkeiten im Laufe des Abends finden.

Foda ist schon 15 Jahre in der Steiermark. Von Heesen (seit Dezember hier) muss in der Heimatkunde noch viel aufholen. "Ich dachte, mit Piefke meinen die Österreicher nur die Berliner. Dabei meinen sie alle Deutschen", sagt der 50-Jährige schmunzelnd über die neue Erkenntnis. In Folge liefern sich die beiden bei feinem Essen einen köstlichen Schlagabtausch. Für das Derby am Sonntag wünscht man sich einen ähnlichen Leckerbissen. Wir haben den Trainern ein paar Wort-Happen serviert.

Steirerschmankerl

Was würde der "Steirer" Franco Foda seinem Kollegen in und aus der grünen Mark empfehlen? "Kürbiscremesuppe mit Kernöl und einen Ausflug in eine Buschenschank an der Weinstraße. Eine Disco nenn' ich gar nicht, dafür ist er zu alt", sagt Foda trocken. "Die Suppe kenne ich schon und in die Disco passen wir beide nicht mehr", kontert von Heesen. Über das Grazer Bermuda-Dreieck haben ihn seine Kapfenberger Co-Trainer bereits informiert.

Derby

"Die echten Derbys sind die Spiele gegen den GAK", stellt Foda fest. Aber auch die Duelle mit Kapfenberg haben einen gewissen Reiz. Der Sturm-Coach erwartet ein spannendes Spiel, "weil Kapfenberg an Qualität gewonnen hat. Sie probieren jetzt gewisse Dinge spielerisch zu lösen", erklärt Foda. Von Heesen geht nicht aus der Deckung, schweigt. Schließlich will er mit seiner Mannschaft abermals überraschen. Foda ist überzeugt: "Kapfenberg ist noch nicht tot. Auch wenn der Klassenerhalt schwierig wird."

Disziplin

"Spieler, die etwas erreichen wollen, jammern nicht, sagt Foda. "Wer jammert, hat keine Ziele." Das unterschreibt auch von Heesen. "Zwei Dinge will ich nie von Spielern hören: ,Morgen' und ,ja, aber'."

Spezialregeln

Bei seinem Job auf Zypern litt von Heesen zunächst unter der ausgeprägten "Fortgehkultur" seiner Spieler, die sogar Programminhalt von Radiosendungen war. Bis zum Morgengrauen (und länger) waren sie unterwegs. Also handelte er mit dem Team einen "Torpakt" aus: Bei einem Sieg mit einem Tor Differenz dürfen sie bis 1 Uhr ausbleiben, bei zwei Toren bis 2 Uhr, und so weiter. "Was war die Folge? Wir haben die nächsten Spiele 4:1 gewonnen, 5:0, 7:1. Als ein Spieler bei 6:3 in der Schlussminute lässig eine Chance verklopft hat, hätten ihn die anderen fast geschlagen. Das wäre ja eine weitere Stunde gewesen!"

Transferpolitik

Beide Trainer holen nur Spieler, die sie selbst kennen oder von denen sie sich ein genaues Bild gemacht haben. Von Heesen ergänzt: "Wichtig bei den Transfers ist, dass kein A... dabei ist." Foda meint sogar: "60 bis 70 Prozent richtest du bei den Transfers." In den jüngsten fünf Jahren hätte Sturm bei Verpflichtungen keine gröberen Fehler gemacht.

Deutsche Wunschspieler

Von Heesen: "Marco Reus! Ich liebe Spieler mit Speed. Oder den Götze." Foda dealt ein wenig: "Müssen es Deutsche sein? Mein Typ wäre Ribery. Oder Gomez."

Arnautovic

"Den find' ich super. Ich hatte schon viele bekloppte Spieler", sagt von Heesen und erzählt weiter: "Aber ich arbeite immer zum Wohle der Mannschaft. In Zypern habe ich nach zehn Tagen alle Spieler über 30 Jahre rausgeschmissen." Foda: "Und ich hab' eh den Bodul."

Lieblingsorte

"Erstens Graz", sagt Foda schnell, "und zweitens die Malediven. Dort gibt es nur ein Stadion für sechs Teams. Ein Ungar ist übrigens Nationaltrainer. Das wär' noch ein Job für mich." Der perfekt Spanisch sprechende Kapfenberg-Trainer hat mehrere Lieblingsstädte: 1. Buenos Aires ("unglaublich schön"), 2. Havanna ("Bin großer Kuba-Fan, aber nur dort, wo keine Touristen sind"), 3. Palma ("abgesehen vom Ballermann"), 4. Hamburg. Einig sind sich die beiden, dass es in der Hansestadt die beste Currywurst gibt.

Twitter und Facebook

"Damit habe ich mich überhaupt noch nicht beschäftigt", erzählt Foda. "Ich möchte mich nicht beeinflussen lassen und vertraue auf meine eigene Meinung." Handys sind in der Kabine verboten, im Bus ist nur Musikhören erlaubt. "Das ist bei jedem Klub so", fügt von Heesen hinzu.

Duzen oder Siezen?

Klare Ansage von Foda: "Ich bin seit 15 Jahren in Graz. Mich kennt man noch als Spieler. Wenn mich jemand duzt, habe ich kein Problem damit. Andersrum: Würde Mario Haas zu mir 'Sie' sagen, wäre das ja oberpeinlich." Von Heesen bevorzugt das "Sie".

Mariazell

Den Wallfahrtsort, hierzulande oft Ziel nach Wundern, kennt von Heesen noch nicht. Wie er sich bei einem "Kapfenberg-Wunder" für den Klassenerhalt belohnen würde? Von Heesen überlegt. Foda springt ein: "Mit einer Nicht-Abstiegsprämie!" Gelächter. Die beiden kennen sich gut.


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Bild vergrößernDarko Bodul (rechts) entschied mit einem späten Tor das letzte Steirer-Derby Foto © GEPA

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