Spielerisch zum "Wunder von Kapfenberg"
Nach zwei Absagen startet der KSV am Samstag bei der Austria die Mission Klassenerhalt - mit neuen Gesichtern und neuem Spielstil. Die Kapfenberger haben im Winter das Fußballspielen für sich entdeckt. Von Thomas Huber.

Foto © GEPA/Monatge KLZ DIGITALDie Falken glauben an sich - und den Klassenerhalt
Vor einem Jahr war in der Winterpause Treppenlaufen abgesagt. Rauf und runter, im Akkord. "Die schlimmste Zeit", schnaufte KSV-Verteidiger Dominique Taboga damals. Ein Jahr später ist alles anders beim KSV 1919. "Schleifer" Werner Gregoritsch ist weg, "Taktiker" Thomas von Heesen ist da. Und mit ihm ist eine neue Spielkultur eingekehrt beim Tabellenschlusslicht: das Spiel mit dem Ball.
"Sie müssen lernen, mit dem Handwerkszeug umzugehen", sagt Von Heesen und hat den Kapfenberger Kampf und Krampf in der Winterpause vorerst auf die Ersatzbank verbannt. "Wir haben in der Vorbereitung zu 90 Prozent mit dem Ball trainiert. Wir haben den Fußball besser verinnerlicht, zahlreiche Spielzüge eintrainiert", sagt Taboga über den Paradigmenwechsel beim KSV. Eine fußballerische Linie sei bereits erkennbar. "In den vergangenen Wochen haben wir unsere Defizite schon ein bisschen verringert – defensiv wie offensiv."
"Wir haben an individueller Qualität gewonnen"
Defizite hat der KSV im Winter auch in der Kaderzusammenstellung behoben. Gleich sechs Spieler mussten gehen, sieben neue sind gekommen. "Wer nicht mitzieht, hat beim Verein nichts verloren", verteidigt Ersatz-Kapitän Taboga das rege Treiben seines Klubs auf dem Transfermarkt, "uns haben auch die spielerischen Mittel gefehlt."
Negativbilanz
Die Bilanz spricht nicht für den KSV: Zehn Partien in Folge ist Kapfenberg schon sieglos, in den jüngsten vier Spielen gab es keinen Torerfolg. In den bisher gespielten 19 Runden haben die Steirer lediglich zehn Punkte geholt. 40 geschossenen Toren stehen 13 Gegentreffer gegenüber.
Den jungen rot-weiß-roten Weg hat der KSV vorerst verlassen. Die Zahl der Legionäre im Team ist gestiegen, das Durchschnittsalter auch. Für Taboga kein Problem: "In den vergangenen Jahren war es einfach, Talent für Talent in die Kampfmannschaft zu integrieren. Da war immer ein Team in der Tabelle hinter uns. Jetzt haben wir die Zeit nicht mehr. Für mich haben wir mit den Neuen an individueller Qualität gewonnen."
Individuell, das ist das Stichwort. Viel Zeit bleibt dem KSV nicht mehr, aus der Vielzahl an Neuzugängen und Individualisten ein Team zu formen, das im Abstiegskampf bestehen kann. 17 Runden sind im Frühjahr noch ausständig, zehn Punkte beträgt der Rückstand auf den Tabellenneunten Mattersburg - bei zwei Spielen weniger. Trotzdem sind die KSV-Kicker überzeugt vom "Wunder von Kapfenberg" - ein Wunder, das für Taboga keines ist. "Wir verschwenden keinen Gedanken an den Abstieg. Es gibt keinen Plan B", sagt Taboga, um dann doch abzuschwächen: "Wenn wir nach 36 Spieltagen unten stehen, dann haben wir es auch verdient."
Frischgebackener Zwillingspapa
Nicht unten, sondern auf dem Rasen stehen will Taboga auch im Frühjahr regelmäßig. Trotz neuer Konkurrenz in der Innenverteidigung hat der gebürtige Niederösterreicher, der auf die rechte Seite ausweichen könnte, keine Angst um seinen Stammplatz, aber "natürlich macht man sich Gedanken."
Bundesliga
Viele Gedanken hat sich Taboga auch während des Winterurlaubs gemacht - privater Natur. Der 29-Jährige ist am 1. Februar Vater geworden. Doppelter. Maddox und Levin heißen die Zwillinge, die um einige Wochen zu früh, aber wohlbehalten, das Licht der Welt erblickt haben. "Ein unbeschreibliches Gefühl. Für mich und meine Frau Nicole beginnt ein neuer Lebensabschnitt", sagt ein glücklicher Taboga, der auch seiner "KSV-Familie" noch einiges zurückgeben möchte - zum Beispiel den Klassenerhalt.
Features
Verlängerte Winterpause
Als einziges Team haben die "Falken" im Frühjahr noch kein Meisterschaftsspiel bestritten. Sowohl die Partie bei der Admira als auch das Heimspiel gegen Wr. Neustadt mussten wegen schlechter Platzverhältnisse abgesagt werden. Nächster Versuch: Samstag bei der Wiener Austria (18:30 Uhr)
KSV: Transfer-Überblick
- Zugänge: Nathan Junior (BRA/Skonto Riga), Gerson Ferreira (BRA/Atletico Madrid B), Haruna Babangida (NIG/vereinslos), Sanel Kuljic (AUT/vereinslos), Michal Hanek (SVK/Zaglebie Lubin), Peter Struhar (SVK/Dunajska Streda), Florin Lovin (RUM/vereinslos)
- Abgänge: Michal Ordos (Sigma Olmütz), Christoph Kröpfl (Sturm Graz), Franck Matondo (Melk), Roman Prokoph (Unterhaching), Danijel Micic (WAC/St. Andrä), Srdjan Pavlov (Sturm Graz)
Dominique Taboga
- Familie: verheiratet; seit 1. Februar Vater von Zwillingen (Maddox & Levin)
- Position: Verteidiger
- Profistationen: DSV Leoben (2002–2006), KSV (2006–2009), Tromsö IL (2009-2010), KSV (Vertrag bis 2013)










