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Zuletzt aktualisiert: 03.12.2011 um 20:17 UhrKommentare

Eine Siedlung auf der Suche nach Identität

Der Mürzbogen in Kapfenberg ist ein ethnischer Schmelztiegel. Das verursacht Probleme - nach innen und außen. Nun will die Siedlung Identität und ein neues Image.

Musik verbindet: Das gilt auch für das gemeinsame Singen im Kinderfreundeheim im Mürzbogen

Foto © TomaschekMusik verbindet: Das gilt auch für das gemeinsame Singen im Kinderfreundeheim im Mürzbogen

Wir sind alle Kinder dieser Erde. Ganz egal, wie jemand spricht. Und egal mit welcher Haut oder mit verhülltem Gesicht" - so beginnt der "Mürzbogen-Song", getextet und komponiert von Gerald Holzapfel. Der Musiker und Musiktherapeut leitet seit Kurzem auch eine Gesangsrunde, die sich im Kinderfreundeheim im Kapfenberger Stadtteil Mürzbogen trifft.

Mehr als die Hälfte der rund 700 Bewohner der historischen Arbeitersiedlung sind Zuwanderer - mit und ohne österreichische Staatsbürgerschaft. Der ethnische Schmelztiegel verursacht Probleme, innerhalb der Siedlung ebenso wie außerhalb - war der Mürzbogen doch seit jeher als "Glasscherbenviertel" abgestempelt.

Bewohner zu Beteiligten

Diese beiden Problemfelder haben die Stadtgemeinde und den ISGS (Integrierten Sozial- und Gesundheitssprengel) auf den Plan gerufen. "Wir haben auch immer wieder gehört: Dort will ich nicht hinziehen, dort leben die Ausländer", weiß Monika Vukelic-Auer, die Leiterin des Sozialreferats der Stadtgemeinde. Und das, obwohl die Wohnbaugenossenschaft Gemysag die alten Substandardwohnungen schrittweise zu großen, modernen Wohnungen umgebaut hat. Um das Zusammenleben und den Ruf der Siedlung zu verbessern, wurde vor einem halben Jahr ein sogenanntes Gemeinwesenprojekt ins Leben gerufen. In diesem Projekt sollen die Bewohner zu Beteiligten werden, sollen das Schicksal ihrer Siedlung selbst in die Hand nehmen.

"Begonnen haben wir mit einer Recherchephase", erklärt Sozialarbeiterin Karin Schagerl vom ISGS, die das Projekt operativ betreut. Im Sommer folgte dann eine Befragung, in der die Bewohnerinnen und Bewohner über das Positive und das Negative in der Siedlung befragt wurden. Aus dieser Befragung haben sich mehrere brennende Themen herauskristallisiert, die nun aufgearbeitet werden sollen: Spielplatz, Außen- und Innengestaltung, Müll, Verkehr und Parkplätze sowie das Zusammenleben sowohl der Ethnien als auch der Generationen.

"Erleichtert wird die Projektarbeit durch die in der Siedlung vorhandene Infrastruktur wie den Spielplatz und den Fußballplatz, den Aktivtreff und das Kinderfreundheim", sagt Schagerl. Und wenn auch die Beteiligung der Bewohnerinnen und Bewohner stärker sein könnte, gibt es doch ein reges Interesse an den Aktivitäten. So gab es im Oktober schon ein Siedlungsfest mit Bewirtung, Tanz und Workshops. "Und das Fest war ein Erfolg", freut sich Schagerl.

Facebook und Reporter

Zu den aktivsten Bewohnerinnen gehört Gabi Hutzler. Die Mutter zweier Kinder wohnt noch nicht lange im Mürzbogen. Doch hat sie die Siedlung schon auf Facebook gestellt, und derzeit sucht sie Reporterinnen und Reporter, die künftig eigene "Mürzbogennachrichten" gestalten sollen. Schagerl weiß, dass das laufende Projekt ein längerfristiger Prozess sein muss. "Aber es tut sich was", ist sie optimistisch. Damit der Mürzbogen-Song recht behält: "Wir sind alle Bürger dieser Stadt. Ganz egal, woher du bist. Ganz egal, was jemand hat. Und egal, was einer ist."

ULF TOMASCHEK

FAKTEN

Das Gemeinwesenprojekt wurde von der Stadt Kapfenberg und dem ISGS ins Leben gerufen. Partner ist die Gemysag.

Gefördert wird es vom Innenministerium und der steirischen Landentwicklung.

Anberaumt ist es für ein Jahr, um Verlängerung wurde bereits angesucht.

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