Der Meister gegen den Zauberlehrling
Ortsderby in der Bundesliga: Erstmals treffen die beiden Aflenzer Michael Schrittwieser (Kapfenberg) und Gerald Wasshuber (Wels) als Trainer aufeinander. Wer kann seinen Nachbarn überlisten?

Foto © GEPAMichael Schrittwieser
Nur einen Schneeballwurf voneinander entfernt sind sie aufgewachsen. Im genauso beschaulichen wie sportlich unauffälligen Aflenz, das laut letzter Volkszählung exakt 1022 Köpfe zählt. Rodelbahn hin, Schigebiet her - gebe es den amerikanischen Basketballsport nicht, würde man von diesem stillen Örtchen als sportgeneigter Leser nicht viel wissen.
Doch als sich der Turnverein Aflenz in den 70er-Jahren aufmachte, fortan dem Korbball zu frönen, begann eine beachtliche Erfolgsgeschichte. Der TV Aflenz wanderte nach Kapfenberg aus, als "Bears", jetzt "Bulls", sollte man vier österreichische Meistertitel in Folge holen.
Zurück zum Schneeballwurf: Michael Schrittwieser prägt den Klub seit Jahr(zehnt)en, brachte auch den Nachbarsbuben Gerald Wasshuber zum Basketball und zum Verein. Der wurde später auch Trainer, absolvierte (ebenfalls nach dem Studium) seine Lehrjahre in der deutschen Bundesliga und kehrte heuer im Sommer zurück. Nicht nach Kapfenberg, nach Wels.
Viele Emotionen
Am Mittwoch um 19 Uhr kommt Wasshuber erstmals als Trainer an seine alte Wirkungsstätte zurück und nimmt als Jungtrainer das Duell mit seinem Lehrmeister Schrittwieser und seinem, wie er sagt, "Basketball-Papa Mido Kamenica" (Co-Trainer) an. "Für mich ist das eine sehr emotionelle Geschichte. Das war meine Jugend, meine Heimat", schwärmt Wasshuber. Dass er Taktikfuchs Schrittwieser mit einer Finte überraschen kann, daran denkt er gar nicht: "Wir haben bei Wels massive Probleme, das zweite Auswärtsspiel innerhalb von 48 Stunden und mit Lamesic und Francois zwei schwerwiegende Ausfälle. Wir wollen nur überleben." Kapfenberg kann ihn nicht überraschen, der Stil ist ihm bekannt: destruktiv, wenig offensiv, körperbetont. Gezaubert wird wohl wenig.
Hausherr Schrittwieser blickt dem "Aflenzer Derby" cool entgegen. "Die Partie wird von den Spielern entschieden, und weder ich noch Geri werden uns ein Dress anziehen", sagt der Kapfenberg-Trainer und ergänzt: "Größere Sorgen macht mir Rasheed Brokenborough. Der darf den Ball im Gegensatz zu seinem Coach Richtung Korb werfen und kann das, wie wir aus eigener Erfahrung wissen, sehr gut." Brokenborough war mit Kapfenberg drei Mal Meister. Am Mittwoch könnte der Ex-Publikumsliebling im Sky-Livespiel zwischen Kapfenberg und Wels zum Zünglein an der Waage werden.







