Postenkarussell dreht sich
Siegesparty der ÖVP sorgt für Aufregung. Kampf um Plätze im Verhandlungsteam. Obersteirische SPÖ Spekulationen.
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Vielen Menschen ist noch der Wahlabend im ORF in Erinnerung. Vor allem die bizarren Siegesfeiern am Karmeliterplatz, wo weiß-grün gewandete JVP-Mitglieder sich wie im Fußballfieber benahmen und in schrillsten Tönen Parteichef Hermann Schützenhöfer feierten. Sprechchöre und Schlachtgesänge, als hätte die ÖVP gerade die Champions League gewonnen. Aber alle Zuseher wussten, dass die ÖVP gerade den zweiten Platz verteidigt hatte, sie schwankten zwischen Verwunderung und Verärgerung.
Viele, wie etwa der ehemalige Chef des Estag-Aufsichtsrates, Richard Ramsauer, machten ihrem Ärger darüber Luft: Er als ÖVP-Wähler habe noch nie "eine so dumme und niveaulose Siegerparty" erlebt, offenbar seien einige bei der ÖVP "durchgeknallt", fand Ramsauer und forderte personelle Konsequenzen.
Unabhängig davon werden SPÖ-Chef Franz Voves und Schützenhöfer am Montag bekannt geben, dass man gemeinsame Regierungsverhandlungen starten will. Noch ist die Zusammensetzung der Verhandlungsteams offen, Rückschlüsse auf die Regierung sind möglich. Bei der ÖVP sind neben Schützenhöfer zwei Personen gesetzt: Klubobmann Christopher Drexler, der schon 2005 dabei war, und Landesrat Christian Buchmann, der als Chef im Wirtschaftsbund Peter Mühlbacher beerbt hat. Ob Bauernbundchef Gerhard Wlodkowski wieder dabei sein wird, ist offen: Sollte er sich auf seine Funktion als Präsident der Österreichischen Landwirtschaftskammer konzentrieren, würde sein Posten in der Steiermark frei, da könnte Landesrat Hans Seitinger nachrücken - und so würde ein Posten in der vierköpfigen VP-Regierungsmannschaft frei.
Ähnliche Überlegungen gibt es beim SPÖ-Verhandlungsteam. Denn als Einziger aus der Viererbande des Jahres 2005 dürfte Klubchef Walter Kröpfl an der Seite von Parteichef Voves bleiben. Zwei andere Verhandler, Kurt Flecker und Landesamtsdirektor Helmut Hirt, sind nicht mehr in der Politik. Als ziemlich sicher gilt, dass Landesrätin Bettina Vollath ins Team kommen wird. Gute Chancen, dazuzukommen und im Zentrum der Macht zu bleiben, hat Siegfried Schrittwieser. Der Posten des Landtagspräsidenten, den bekanntlich Kurt Flecker nicht ganz freiwillig freigemacht hat, scheint für Manfred Wegscheider vorgesehen, falls er jenen Platz in der Regierung räumen muss, den die SPÖ am Sonntag verloren hat. Wegscheider hat aber einen entscheidenden Nachteil: Er war nicht einen Tag seines Lebens Landtagsabgeordneter und sollte nun über Nacht zum Präsidenten des Hauses werden?
Spekulationen, Voves plane in der Obersteiermark einen Totalumbau und wolle neben Wegscheider auch Schrittwieser austauschen, ergeben nur einen Sinn, wenn Posten frei werden: Ex-Bürgermeister Wegscheider könnte nach Kapfenberg zurückgehen und die glücklose Bürgermeisterin Brigitte Schwarz ablösen, lautet eine Spekulation. So bliebe der Sitz des Landtagspräsidenten frei - für Schrittwieser. Für die Regierung käme dann der obersteirische EU-Mandatar Jörg Leichtfried ins Spiel.
Falls aber Voves im Landtag einen mit allen Wassern gewaschenen Haudegen braucht, der auch mit den Blauen kann, könnte Schrittwieser zurückkehren, er hat diese Funktion bereits vor dem Jahr 2000 ausgefüllt - damals mit Schützenhöfer als Gegenüber bei der ÖVP. Für diesen Fall wäre dem besonnenen und weniger hemdsärmeligen Klubobmann Walter Kröpfl der Sitz an der Spitze des Landtagspräsidiums wohl nicht zu nehmen.









