KSV-Star Heinz über Tore, Ziele und sein Leben in Kapfenberg
Er ist kein Philosoph, aber ein begnadeter Regisseur: Marek Heinz über Tore, Ziele und seine Wohnung in der Innenstadt.

Foto © GEPA
Am Hauptfeld kümmert sich Platzwart "Godi" liebevoll um den ramponierten Rasen, am Trainingsplatz lässt Werner Gregoritsch die nicht eingesetzten Kicker traben, und im Kabinentrakt wird gerade die nagelneue Sauna angeschlossen. Und überall wird von einem Ohr zum anderen gegrinst. So eine 7:2-Gala wie gegen den Lask hebt tags darauf auch an trüben Herbsttagen die Stimmung.
Der Mann, der bei der Vorstellung Regie geführt hat, kommt gerade vom Auslaufen und verwundert mit einer Aussage. "Ich kann noch viel besser spielen", sagt Marek Heinz. Zwei Tore, Traumpässe und Gustostückerl am laufenden Band, was geht noch besser? "Alles." Der 32-Jährige spricht perfekt Deutsch, aber nicht gerne mit Journalisten. Und wenn doch, weiß man nicht genau, ob er alles ernst meint. "Vor dem Spiel habe ich mich so komisch gefühlt. Ich dachte, ich habe Fieber. Da war eigentlich null Lust auf Fußball."
Der 30-fache Teamspieler (fünf Tore) hat ein Dutzend Klubs hinter sich, war unter anderem in Hamburg, bei Galatasaray und in Nantes. Seine Statistik an Toren und Einsätzen ist aber nicht berauschend. Als er in Kapfenberg nicht auf Anhieb eingeschlagen hat, sprachen viele schnell von einem Fehlkauf. "Ich habe sicher noch Potenzial", stellt er klar, "aber wenn ich immer so spielen würde, wäre ich wohl nicht in Kapfenberg." Große Ziele hat er nicht: "Ich mag keine Ziele. Denn wenn man sie nicht erreicht, hat man ein Problem. Ich will nur Spaß am Fußball haben."
Gegensätze
In der Böhlerstadt (21.000 Einwohner) fühlt er sich wohl, im Gegensatz zur Zeit in Istanbul (15.000.000 Einwohner). "Dort bin ich auf dem Weg zum Arzt vier Stunden im Auto gesessen. In Kapfenberg ist alles klein, gemütlich, langsam. Mir gefällt das besser."
Heinz lebt ohne seine Familie hier, weil seine beiden Töchter in Tschechien die Schule besuchen. In der letzten Woche hatten sie schulfrei und so war Familie Heinz in der Steiermark vereint. Ob diese Woche mit sieben Punkten und neun Toren deshalb so sensationell verlaufen ist? "Vielleicht", meint Heinz. Wann immer es geht braust er die 3:20 Stunden in sein Olmütz. So wie gestern, weil heute trainingsfrei ist. "Ich bin ja nur nach Kapfenberg gegangen, weil es nahe an meiner Heimat ist."
Gibt es kein Training, spielt er gerne Golf, geht mit seinen Landsleuten auf einen Kaffee oder schaut TV ("n-tv und DMAX"). Nur seine Wohnung erinnert ihn im beschaulichen Kapfenberg noch an Istanbul: "Die liegt genau an der Hauptstraße und ist furchtbar laut, weil durch den gesperrten Tunnel jetzt der ganze Verkehr vor meinem Küchenfenster vorbeigeht."
Will der KSV den Tschechen länger als bis Sommer 2010 in der Stadt sehen, wird man seine Tore wohl mit einer schöneren Bleibe belohnen. . .









