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Zuletzt aktualisiert: 19.10.2009 um 20:01 UhrKommentare

Platz für Menschen mit einer eigenen Welt

Seit fünf Jahren gibt es das Pensionistenheim des Sozialhilfeverbands in der Kapfenberger Grillparzerstraße im ehemaligen Kolpingheim. Das Besondere an diesem Haus ist die Demenzstation.

Foto © APA/Sujet

Kein Arbeitstag ist bei uns wie der andere, wir erleben jeden Tag neue Überraschungen", erzählt Gabriela Tisca, stellvertretende Leiterin des Pensionistenheims in der Kapfenberger Grillparzer Straße, über ihren beruflichen Alltag. Und Tisca spricht dabei nicht nur ganz allgemein die Arbeit mit älteren Menschen an. In erster Linie meint sie damit die Besonderheit dieses Heims, die Arbeit auf der Demenzstation.

Eine ganz eigene Welt ist das, in der demenzkranke Menschen leben, vergleichbar wohl am ehesten mit der von Kleinkindern. Sie reden kaum noch, teilen sich über Gesten mit, sind oft stundenlang mit scheinbar sinnlosen Tätigkeiten beschäftigt, können mitunter unerwartet aggressiv oder extrem anhänglich werden und sind oft den ganzen Tag auf den Beinen.

Rundgang

Genau da setzt auch die architektonische Besonderheit der Kapfenberger Demenzstation an. Sie kann nur mit einem Code verlassen werden, ist aber als Rundgang ausgelegt und vermittelt dadurch nicht das Gefühl des Eingesperrtseins. "Das dauernde Unterwegssein ist typisch für eine Demenzerkrankung, wir lassen unsere Leute gehen, das brauchen sie, wir versuchen überhaupt, sie so leben zu lassen, wie es für sie am einfachsten ist", erklärt Tisca. Das ist zwar für das Personal nicht immer am einfachsten, aber so funktioniert es am besten. Dass zum Glück viele Angehörige mithelfen und einige der Besucher schon zum Stationsalltag gehören, erleichtert die Sache auch ein wenig.

Mit einem Tag der offenen Tür und einer Feierstunde am Nachmittag wurde kürzlich das fünfjährige Bestehen des Heims gefeiert. Wie nötig solche Heime sind, darauf haben die Festredner - Bernd Rosenberger als Obmann des Brucker Sozialhilfeverbands und die Kapfenberger Bürgermeisterin Brigitte Schwarz - in ihren Reden hingewiesen. "Altenbetreuung in der öffentlichen Hand lassen, kein Geschäft mit den Alten", fordert Rosenberger, und Schwarz wünscht sich vor allem Menschlichkeit und Würde.

72 Bewohner leben zur Zeit im Heim, 20 davon auf der Demenzstation. Vielleicht schließt sich bei der Verwendung des ehemaligen Kolpingheimes hier ein Kreis: Ein Teil der jetzigen Bewohner fühlt sich wieder in die Kindheit zurück versetzt.

CHRISTINE ROIS

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