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Zuletzt aktualisiert: 07.02.2009 um 19:24 UhrKommentare

Ein warmes Nest für Jugendliche in Not

Vor genau drei Jahren wurde in Kapfenberg-Hafendorf Krisun, eine Krisenunterbringungsstelle für Jugendliche, eröffnet. 150 Jugendliche wurden bisher in dieser Einrichtung der Kolpingsfamilie aufgenommen.

Das Krisun-Team kümmert sich um die Belange der Jugendlichen: der Psychologe Martin Mayerhofer, die Sozialpädagogin Angelika Pechmann, Sabine Golda_Felfer und Kolping-Urgestein Fritz Pammer

Foto © Christine RoisDas Krisun-Team kümmert sich um die Belange der Jugendlichen: der Psychologe Martin Mayerhofer, die Sozialpädagogin Angelika Pechmann, Sabine Golda_Felfer und Kolping-Urgestein Fritz Pammer

Viele Gespräche mit Sozialarbeitern haben Franz und Rosemarie Mayer von der Kapfenberger Kolpingsfamilie geführt, ehe sie sich nach dem Verkauf des Kolpingheims entschlossen haben, eine Krisenunterbringsstelle für Jugendliche zu gründen. Wie sehr diese Einrichtung gebraucht wurde, beweist schon alleine die Tatsache, dass 150 Jugendliche, überwiegend aus dem obersteirischen Raum, in den ersten drei Jahren davon Gebrauch gemacht haben.

Zuflucht. "Der Hauptgrund, warum Jugendliche bei uns Zuflucht suchen, ist der, dass sie in ihrer Familie massiver Gewalt ausgesetzt sind, dass es keine vernünftige Gesprächsbasis mehr gibt oder dass sogar ihr Leben in Gefahr ist", listet Krisun-Leiterin Sabine Golda-Felfer die Hauptgründe für die Aufnahme auf. Mittlerweile kommen auch immer häufiger Kinder von Zuwanderern, einige Mädchen sind sogar vor einer bevorstehenden Zwangsverheiratung dort untergetaucht.

Klare Tagesstruktur. "Wir versuchen zunächst einmal, allen ein warmes Nest zu geben und schauen, dass sie zur Ruhe kommen", erzählt Golda-Felfer. Eine klare Tagesstruktur, wie sie auch in normalen Familien gelebt wird, hilft dabei. Zur normalen Tagesstruktur gehören auch ein Schulbesuch, die Mithilfe im Haushalt und eine sinnvolle Freizeitgestaltung. Drei Monate dürfen die Jugendlichen bei Krisun bleiben, in Ausnahmefällen sechs Monate. 13 bis 15 Jahre alt sind die meisten und überwiegend weiblich - aber sie kommen beileibe nicht nur aus sozial benachteiligten Schichten.

Keine Zwangseinweisung. Im Regelfall kommen die Jugendlichen über die Sozialarbeiter, von selbst kommen nur wenige. "Aber eine Zwangseinweisung ist das nie, die Jugendlichen müssen ihre Zustimmung geben und wissen, dass sie freiwillig bei uns sind", so Golda-Felfer. Ein Betreuerteam, dem seit kurzem auch ein Psychologe angehört, hilft dann, dass sie ihre ihre verfahrene Lebenssituation wieder in den Griff bekommen. Oberstes Ziel ist immer noch die Rückführung in die Familie. Wenn das nicht mehr möglich ist, wird ein Platz in einer Wohngemeinschaft gesucht.

Sozialarbeiterinnen. Froh über diese Einrichtung ist auch der Brucker Bezirkshauptmann Bernhard Preiner. "Von unseren Sozialarbeiterinnen höre ich immer wieder, wie froh sie sind, diese Einrichtung, die in der ganzen Steiermark genutzt wird, in Reichweite zu haben."

CHRISTINE ROIS

Kommentar

Ulf TomaschekMauerblümchen von Ulf Tomaschek

Fakten

Vor 150 Jahren machte es sich Kaplan Adolph Kolping zur Aufgabe, Kinder und Jugendliche zu unterstützen. Auf seine Initiative hin entstanden um 1860 die ersten Gesellenheime.

Kolpingheime, die sehr vielen berufsbildenden Schulen angeschlossen waren, waren die Nachfolger dieser Gesellenhäuser. Die Schülerfreifahrt und auch ein gesellschaftlicher Wandel brachten es mit sich, dass diese Heime immer weniger genutzt wurden. Nach dem Verkauf des Kapfenberger Heimes sah sich die Kolpingfamilie jedoch verpflichtet, den Erlös weiterhin Kindern und Jugendlichen zugute kommen zu lassen.

Die Krisenunterbringungsstelle Krisun ist die einzige dieser Art in der Steiermark. Acht Plätze stehen Jugendlichen zur Verfügung, sieben Arbeitsplätze wurden dafür geschaffen. Der laufende Betrieb wird aber nicht über Kolping finanziert, sondern über die Jugendwohlfahrt.

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