Der lange Weg zur Schule
Die Schließung der Hauptschule Breitenau wäre für den Ort und für die Schüler schlimm. Eine wahre Katastrophe wäre sie aber für jene, die weit abseits in den Seitentälern wohnen.

Foto © PototschnigVon entlegenen Höfen müssen die Kinder täglich zur Schule in die Breitenau (ganz hinten im Bild). Es wäre für sie schlimm, wenn sie von dort noch nach Bruck müssten
In vielen Anrufen und Leserbriefen machten die Breitenauer in den letzten Tagen ihrem Ärger Luft. Vor allem zwei Argumente werden immer wieder genannt: Die Gefahr der Abwanderung, wenn die Kinder schon mit zehn Jahren auswärts zur Schule gehen, und der unzumutbar weite Schulweg für jene Kinder, die in einem der vielen Seitentäler leben.
Bezirksjägermeister Max Hörmann ist Breitenauer, und er kennt die Steiermark sehr gut: "Seitentäler gibt's fast überall, aber unsere Situation ist nur mit jener von Donnersbachwald im Bezirk Liezen vergleichbar", sagt er. Um das zu zeigen, stellt er sich mit seinem Geländewagen für eine Rundreise zur Verfügung.
Die Fahrt beginnt im Ortszentrum St. Jakob, unmittelbar bei der Hauptschule, und führt nach Norden in Richtung Eibeggsattel. Bald werden die Häuser weniger, aber immer wieder tauchen Gehöfte auf, daneben oft neue Einfamilienhäuser. "Viele haben als Erbteil einen Baugrund bekommen, und wer in der RHI oder in anderen Firmen hier bei uns Arbeit findet, der baut sich eben ein Haus", erzählt Hörmann. Und: "Bei fast allen Häusern gibt's Schulkinder."
Über den Knollgraben geht's auf den Eibeggsattel und über die Eibeggstraße wieder retour. Fast 15 Kilometer ist diese Runde lang, liest Hörmann auf seinem Kilometerzähler. Anderswo ist es ähnlich, ob Lantschgraben, Zintonergraben, Feisterergraben oder ein anderer der zwölf Seitengräben. Hörmann ärgert sich: "Wenn auch nur wenige Kinder ganz hinten wohnen - drei Kilometer haben viele von ihnen bis zu den Sammelstellen."
Mit "Sammelstellen" meint er jene Plätze, an denen die Kinder aus den Gräben von Kleinbussen abgeholt und zur Schule gebracht werden. Bis zu diesen Sammelstellen werden die meisten von den Eltern gefahren, aber wenn's einmal nicht geht, müssen sie die Strecke auch zu Fuß gehen.
Wenn die Hauptschule nicht mehr im Ort ist, sind die größeren Kinder nach dem langen Weg in die Breitenau noch längst nicht am Ziel. Dort warten sie auf den Bus nach Bruck, der zwischen 40 Minuten und einer Stunde unterwegs ist, oft auch mit Umsteigen in Mixnitz.
Das heißt, dass manche Kinder mehr als vier Stunden täglich für ihren Schulweg benötigen würden. Im Winter müssen sie im Finstern daheim weg und kommen im Finstern heim. "Ich glaube, das hat man in Graz einfach nicht bedacht", sagt Hörmann. Und er hofft wie alle Breitenauer, dass die Schließung doch noch abgeblasen wird.








