"Weniger als drei Prozent"

Foto © Kanizaj"Demokratie vorgegaukelt": Kriesche
Sonst nicht schreibfaul, hat sich die Internetgemeinde der Bruckkritiker gestern noch zurückgehalten: nur sechs neue Eintragungen zur Abstimmung über den "Merkurio", die neun Meter hohe Läuferstatue, die - noch - auf dem Brucker Hauptplatz steht. Allerdings befassen sich nur zwei davon mit dem Thema selbst. Sonst gibt es nur das übliche Ping-Pong-Spiel bei den Postings.
Der Schöpfer der Skulptur, der Grazer Medienkünstler Richard Kriesche, wurde in die Entscheidung über den neuen Standort nicht eingebunden. Nun hat er eine Stellungnahme abgegeben. Was ihn vor allem ärgert, ist das "Demokratieverständnis nach Brucker Version", wie er schreibt. Für Kriesche ist die Vorgangsweise der Abstimmung "mehr als fragwürdig". Haben doch nur 379 Personen abgestimmt - "bei einer Bevölkerungszahl von etwa 13.000 Einwohnern entspricht dies einem Prozentsatz von 2,91 Prozent der Brucker Bevölkerung. Die erschütternde Botschaft lautet für Kriesche: "Weniger als drei Prozent der Bürger nehmen zu Fragen über Kunst und Kultur in ihrer eigenen Stadt Stellung. Weniger als drei Prozent reichen aus, um eine Demontage von Kunstwerken zu ermöglichen, weniger als drei Prozent genügen, um 97 Prozent der Bevölkerung Demokratie vorzugaukeln - und das demokratiepolitisch korrekt!"
Aber auch kulturpolitisch kritisiert Kriesche die Entscheidung. "Bruck hat eine schöne altstädtische Substanz, aber die Zeit ist stehen geblieben. Die Brucker haben mit der Verlegung ihre unmittelbare Gegenwart ausgeblendet", kritisiert der Künstler, der sich freut, dass vor allem die Jugend seine Skulptur gut angenommen hat. ULF TOMASCHEK








